Schweiz: Apotheken verdrängen Drogerien

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Berlin - Es klingt aus deutscher Sicht nach verkehrter Welt: Der Schweizer Drogistenverband beklagt ein Drogeriensterben. Viele Drogisten finden keine Nachfolger, weil die harte Konkurrenz der Apotheken das Geschäft immer weniger rentabel macht. Der Pharmahandelskonzern Galenica hat einen wesentlichen Anteil daran.

Um über zehn Prozent ist die Zahl der Drogerien in der Schweiz in den letzten zehn Jahren gesunken, von 560 auf knapp 500, berichtet die Basler Zeitung. Die Zahl der Apotheken ist im selben Zeitraum von 1700 auf 1800 gestiegen. 40 der verbliebenen Drogerien sind Filialen der deutschen Kette Müller, die insgesamt 50 Häuser in der Schweiz betreibt. Während Müller in der Eidgenossenschaft auf Expansionskurs ist, rechnen Branchenbeobachter aber mit einem weiteren Niedergang der inhabergeführten Drogerien. Die würden trotz sinkender Rentabilität oft bis zum Renteneintritt des Inhabers weitergeführt, fänden dann aber keine Nachfolger. Inserate auf der Website des Branchenverbandes seien meist monatelang online. Kaum jemand wolle noch neu in das Geschäft einsteigen.

Denn die Drogerien stecken zwischen den Großmärkten und den Apotheken fest und verlieren an beide. So sind die meisten Drogerieartikel heutzutage auch in Großsupermärkten wie Migros und Coop zu finden. Und die Schweizer Apotheken wiederum setzen angesichts sinkender Margen im Arzneimittelhandel zunehmend auf Drogerieprodukte in der Offizin. Aus dem Schweizer Drogistenverband kommt dafür sogar Verständnis: „Angesichts der rapide sinkenden Margen im Handel mit Medikamenten“, sei es der Apotheken „gutes Recht“, das zu tun, wird Geschäftsleitungsmitglied Heinrich Gasser zitiert.

Und dann ist da noch Galenica. Der Apotheken- und Großhandelskonzern beschleunige das Drogeriesterben nämlich noch, indem er Drogerien übernimmt und sie entweder in eine Apotheke umwandelt oder schließt, um die Kundschaft in die nächstgelegene eigene Apotheke zu lotsen, so geschehen erst kürzlich in Zollikofen. Die Galenica-Apotheken wiederum seien in den letzten Jahren zunehmend auch zu Drogerien geworden, schreibt die Basler Zeitung. Die 350 Geschäfte unter den Marken Amavita, Coop Vitality und Sunstore führen oft umfangreiche Sortimente in den Bereichen Kosmetik, Parfümerie, Nahrung und Reinigungsmittel.

Und die Spezialkosmetik- und Alternativmedizinsortimente sollen in Zukunft noch ausgebaut werden, um die sinkenden Arzneimittelmargen zu kompensieren. Kürzlich hatte Galenica dazu eine Minderheitsbeteiligung am Homöopathie-Hersteller Spagyros erworben. Eigene Drogerien zu eröffnen, sei für Galenica allerdings keine Option, beteuert Geschäftsleitungsmitgleid Daniele Madonna: „Die Kunden wissen, dass sie bei uns auch Medikamente erhalten.“

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