Österreich: Corona-Tarifvertrag für Apotheken

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Berlin - In Österreich streiten sich Gewerkschaften und Berufsvertretung gerade um einen Zusatz-Tarifvertrag für gut 17.000 Apothekenmitarbeiter:innen. Der Verband der Angestellten Apotheker (VAAÖ) und die Gewerkschaft GPA wollen damit Pandemie-Sonderregelungen, die beispielsweise im Einzelhandel gelten, auch für Apotheken festschreiben. Doch der Österreichische Apothekerverband will offenbar noch nicht so recht. Verhandlungen sollen nun die Lösung bringen.

Bereits seit Januar gibt es in Österreich einen sogenannten Generalkollektivvertrag, der zwischen Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden beschlossen wurde. Er enthält arbeitsrechtliche und betriebliche Begleitmaßnahmen, die helfen sollen, die staatlich vorgeschriebenen Infektionsschutzmaßnahmen und die Teststrategie umzusetzen. So schreibt er fest, dass regelmäßige Corona-Tests, die Arbeitnehmer aufgrund gesetzlicher Vorgaben machen müssen, als Arbeitszeit angerechnet und entsprechend gezahlt werden. Kann ein Betrieb nicht selbstständig Tests zur Verfügung stellen, so gelten auch An- und Abreise zum nächsten Testzentrum als Arbeitszeit.

Arbeitnehmer, die keiner regelmäßigen Testpflicht unterliegen, sollen Tests demnach außerhalb der Arbeitszeiten absolvieren. Ist dies nicht möglich, so der Kollektivvertrag, haben sie das Recht, sich einmal die Woche für die Dauer des Tests freistellen zu lassen. Ist das Testergebnis positiv, dürfen Arbeitnehmer:innen deshalb nicht benachteiligt werden, insbesondere hinsichtlich des Entgelts, der Aufstiegsmöglichkeiten und der Versetzung. „Ich bin überzeugt davon, dass der niederschwellige Zugang zu Tests inklusive arbeitsrechtlicher Sicherheit viele Menschen motivieren wird, sich testen zu lassen – der Generalkollektivvertrag schafft die dafür nötigen Rahmenbedingungen“, so Renate Anderl, Präsidentin der Bundeskammer für Arbeiter und Angestellte, zu Wiener Zeitung.

Neben den Test am Arbeitsplatz besonders relevant ist die Maskenpflicht – hier wurde mit dem Generalvertrag festgeschrieben, dass jeder Arbeitnehmer mit Maskenpflicht ein Anrecht darauf hat, jeweils nach drei Stunden eine zehnminütige „Maskenpause“ einzulegen. Das muss keine Pause im engeren Sinne sein, sondern kann auch eine Arbeitstätigkeit sein, bei der aufgrund räumlicher Gegebenheiten keine Maske notwendig ist. Die Apothekengewerkschaft VAAÖ will nun gemeinsam mit der Gewerkschaft GPA – die als Dachgewerkschaft Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft sowie Journalisten vertritt – diesen Kollektivvertrag auch im Apothekenwesen verankern. Doch der Verband ist offenbar noch nicht ganz überzeugt von der Idee.

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