Mehr Beratung, mehr Honorar | APOTHEKE ADHOC
Neues Honorarsystem in der Schweiz

Mehr Beratung, mehr Honorar

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Berlin -

Über 200 Millionen Franken wollen der Apothekerverband Pharmasuisse und der Krankenkassenverband Curafutura bei den Arzneimitteln durch eine Reform des Honorarsystem einsparen. Hochpreiser sollen dadurch günstiger werden, allerdings werden die Preise andere Medikamente, vor allem von Generika, teilweise deutlich teurer.

Der gemeinsame Vorschlag von Curafutura und Pharmasuisse setzt beim sogenannten Vertriebsanteil der rezeptpflichtigen Medikamente an. Dieser Betrag bestimmt, wie viel ein Arzt oder ein Apotheker beim Verkauf eines Arzneimittels verdient. Gleichzeitig wollen die beiden Verbände auch den Apothekentarif überarbeiten. Dieser deckt zusätzlich zur Vertriebsmarge Kosten der Apotheker ab.

Die heutige Vertriebsmarge bringt einen Fehlanreiz mit sich. Nicht in jedem Fall, aber im Grundsatz gilt: Je teurer ein Medikament, desto höher ist der Verdienst der Apotheker und Ärzte. Rheumamedikamente sind als Beispiel deutlich lukrativer als simple Kopfwehtabletten. Aufsteigend gestaffelt nach Arzneimittelpreis gibt es derzeit einen Fix-Zuschlag von 4 bis 240 Franken je Packung plus einen prozentualen Zuschlag von 12 Prozent für Arzneimittel bis zu fünf Franken und Null Prozent für Arzneimittel über 2570 Franken.

„Wären alle Präparate, die wir verkaufen, aus dem tiefpreisigen Segment, könnten wir unsere Kosten nicht einmal ansatzweise decken“, sagt Fabian Vaucher, Präsident des Apothekerverbands. Mit dem heutigen System fehle insbesondere der Anreiz, statt den teureren Originalpräparten günstigere Generika zu verkaufen. Hier bestehe ein zusätzliches Sparpotenzial von rund 200 Millionen Franken, würden vermehrt Generika eingesetzt, sagt Vaucher. Der Vorschlag der beiden Verbände sieht vor, dass künftig pro Medikament ein fixer Zuschlag von 9.45 Franken fällig wird. Hinzu kommt der variable Teil, der 3 Prozent des Preises beträgt, den der Hersteller des Arzneimittels erhält. Künftig soll die Marge maximal 300 Franken betragen.

Mit dem Systemwechsel würden billige Medikamente mehr kosten, mittelteure und Hochpreis-Arzneimittel dagegen weniger. So würde etwa einer 16er-Packung des bekannten Schmerzmittels Dafalgan 12,50 Franken kosten, statt 7,20 Franken wie heute. Das entspricht einem Aufschlag von 73 Prozent. Der Preis des Asthma-Inhalators Ventolin würde von 8,75 auf 13,95 Franken steigen (plus 59 Prozent). Dagegen wäre etwa der Cholesterinsenker Crestor rund 15 Franken günstiger zu haben und kostet 104,95 Franken. Der Systemwechsel brächte gerade für chronisch Kranke mit teuren Medikamenten eine Entlastung.

Es sei nicht bestreiten, dass gewisse Medikamente etwas teurer würden, sagt Pius Zängerle, Direktor von Curafutura. Doch mit dem neuen Modell könnten künftig auch günstige Präparate kostendeckend verkauft werden, was heute nicht der Fall sei. Zudem spare der Vorschlag Geld und fördere den Verkauf von Generika.

Gleichzeitig wollen die beiden Verbände den Apothekertarif neu regeln. Künftig sollen die Apotheken für den Verkauf von rezeptpflichtigen Medikamenten und die Beratung der Kunden mehr Geld erhalten. Auch hier soll es zu mehr „Kostenwahrheit“ kommen. „Heute zahlt jeder Kunde in der Apotheke den gleichen Tarif, egal wie viel Zeit er in Anspruch nimmt“, sagt Vaucher. Künftig wird die Beratung teurer, je aufwendiger sie ist. Als Beispiel nennt Vaucher etwa einen Patienten, der aus dem Spital entlassen wurde, mehrere Medikamente benötigt und vielleicht gewisse Präparate umstellen muss. Während bei der Vertriebsmarge gespart wird, erhöht sich also der Apothekertarif. Unter dem Strich bleiben jährliche Einsparungen von über 200 Millionen Franken – so die Prognose der beiden Verbände. Der Vorschlag muss noch vom Schweizer Bundesrat genehmigt werden.

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