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Schweiz

Impfung in Apotheken immer beliebter

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Berlin -

Ab Januar 2018 dürfen auch Apotheker im Schweizer Kanton Bern impfen. Der Regierungsrat hat vor wenigen Tagen nach einem Pilotversuch mit einigen ausgebildeten Apothekern die rechtlichen Grundlagen für das Impfen in der Offizin geschaffen. In anderen Kantonen hat sich gezeigt, dass die Apotheke als Anlaufstelle vor allem bei der Grippeimpfung immer beliebter wird. Die Nachfrage hat sich nach Angaben des Apothekerverbands Pharmasuisse in dieser Saison im Vergleich zum Vorjahr mindestens verdoppelt.

Die Berner Apotheker dürfen nach dem Beschluss des Regierungsrates gesunde Erwachsene ab 16 Jahren gegen Grippe, Hepatitis A und B sowie gegen von Zecken übertragene Hirnhautentzündung impfen. Die Voraussetzung ist eine spezielle Weiterbildung. Kinder sowie chronisch und akut Kranke müssen sie weiterhin zum Arzt schicken. Der geänderten Gesundheitsverordnung ist ein Pilotversuch vorausgegangen. Schon seit zwei Jahren dürfen im Kanton Bern ausgebildete Apotheker Kunden ohne Arztrezept gegen Grippe impfen. Ab Januar dürfen sie auch drei andere aus Totviren bestehende Impfstoffe verabreichen.

Bern wird damit der 18. der 26 Kantone in der Schweiz sein, in dem Impfungen auch durch Apotheker verabreicht werden dürfen. Zuletzt ist im August der Kanton Zug dazugekommen. Die Zuger Apotheker zeigten sich nun zufrieden mit der Resonanz in der Bevölkerung. Vor allem die Grippeimpfung ist nach Angaben des Vorstand des Zuger Apothekervereins, Martin Affentranger, sehr beliebt. Allein in seiner Apotheke hätten sich bisher bereits 46 Personen die Grippeimpfung geben lassen, sagte er der Luzerner Zeitung. Er habe sogar bereits einmal nachbestellen müssen. Allein an dem nationalen Grippeimpftag am 3. November hätten sich 85 Personen in beteiligten Zuger Apotheken impfen lassen.

Affentrager will außerdem festgestellt haben, dass zehn bis 20 Prozent der Schweizer, die sich bei dem Apotheker impfen ließen, sich erstmalig für den Grippeschutz entschieden hätten. Auch nach Erkenntnissen des Apothekerverbands Pharmasuisse erhöht sich die Durchimfungsrate bei Grippeimpfung durch das Angebot in Apotheken. Bei einer Datenerhebung gaben 15 Prozent der Befragten an, dass sie sich ohne das Angebot in den Apotheken nicht hätten impfen lassen. Das sei wichtig, weil die Grippe in der Schweiz jedes Jahr zwischen 1000 und 5000 Krankenhauseinweisungen und bis zu 1500 Todesfällen zur Folge habe, so Pharmasuisse.

Während der letztjähriger Impfsaison- zwischen Anfang Oktober 2016 bis Ende Januar 2017 – wurden den Angaben des Verbandes in den Apotheken 7258 Grippeimpfungen durchgeführt und elektronisch in der Online-Datenbank phS registriert. Diese Zahlen umfassen dabei nur 15 Kantone, da in den Kantonen Luzern, Nidwalden und Zug das Impfen erst später erlaubt wurde.

Die Nachfrage nach der Grippeimpfung sei diese Saison allerdings deutlich höher. Genaue Auswertungen würden zwar noch nicht vorliegen, Pharmasuisse geht aber davon aus, dass sich die Zahl der Geimpften mindestens verdoppeln wird. Ohne ärztliches Rezept und ohne Voranmeldung bieten zurzeit insgesamt 404 Apotheken die Grippeimpfung an. Eine nächste große Nachfrage wird im Frühling für die Impfung gegen FSME erwartet.

Die Impfung in Apotheken wird vor allem in den Reihen der Ärzteschaft durchaus kritisch gesehen. Beim Berner Verein der Haus- und Kinderärzte blickt man der Neuerung mit gemischten Gefühlen entgegen. „Es ist ein zweischneidiges Schwert“, sagte Vizepräsident Stefan Roth der Zeitung „Der Bund“. Einerseits begrüßte er es, wenn mit der Impfung in der Apotheke eine bessere Durchimpfung erreicht wird. Andererseits befürchtet der Verband eine Verschärfung des Tarifstreits mit den Krankenkassen, wenn die gleiche Leistung in der Apotheke billiger angeboten wird.

Ein anderes Problem sieht Roth bei der Koordination der Behandlungen am Patienten. So sei es beispielsweise problematisch, nach einem Verlust des Impfausweises nachzuvollziehen, welche Impfungen der Patient hatte. Roth warnte außerdem davor, dass bei einer Grippe-Pandemie der Impfstoff an die Falschen abgegeben würde und ausgehen könnte. „Die Gesunden lassen sich in der Apotheke impfen, und für die Kranken, die den Impfstoff dringend brauchen, reicht es nicht mehr“, sagte er der Regionalzeitung.

Die Apotheker sehen das anders. Daniel Wechsler vom Apothekerverband des Kantons Bern erkennt kein Problem darin, dass der Tarif in der Apotheke günstiger ist als beim Arzt. Denn gesunde Erwachsene könnten sich die Grippeimpfung ohnehin nicht von der Krankenkasse bezahlen lassen. Für sie sei der niedrigere Preis also gut. Wechsler glaubt, dass sie sich in der Apotheke denn auch eher impfen lassen, als wenn sie einen Termin beim Arzt vereinbaren müssen. „So können wir die Impfrate erhöhen und das Risiko einer Epidemie vermindern“, sagte er im Bericht.

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