Schweiz

Basel: Hausärzte attackieren Apotheker APOTHEKE ADHOC, 15.11.2017 15:24 Uhr

Berlin - In der Schweiz sollen Apotheker nach Vorstellungen des Bundesrates in Zukunft zusätzliche Aufgaben in der ambulanten Versorgung übernehmen. Auch Basler Gesundheitsdepartement würde gern sehen, wenn Patienten bei leichten Erkrankungen zum Apotheker statt zum Hausarzt gehen würden. Doch die – eigentlich überlasteten – Hausärzte gehen auf die Barrikaden. Mit Argwohn registrieren sie, dass sich Apotheken auf ihrem Terrain breitmachen.

„Bei unkomplizierten Erkrankungen wie Augen- oder Blasenentzündungen sind die NetCare-Angebote der Apotheken hilfreich“, hieß es in der unlängst erschienenen Informationsbroschüre des Basler Gesundheitsdepartements. Die staatliche Empfehlung an die erkrankte Bevölkerung lautete demnach: Basler sollen bei Krankheit zunächst in eine Apotheke gehen. Dabei könne je nach Ergebnis gleich die erforderliche Medikation vorgenommen werden, führt die Behörde die Vorteile vor Augen.

Die Hausärzte schäumen offenbar. Laut einem Bericht der Baseler Zeitung hat die Medizinische Gesellschaft (MedGes) beim Chef des Gesundheitsdepartements, Lukas Engelberger, Protest eingelegt. Darin beklagen die Ärztevertreter demnach, dass die unter Druck stehenden Hausärzte umgangen würden. „Wieder einmal mehr wird die von Euch so gepriesene Förderung der Hausarztmedizin nicht wahrgenommen“, soll es weiter in dem Brief heißen. Sie würde sogar von hinten durch Aufruf zum Gang in die Apotheke torpediert. Eine Blasenentzündung als unkomplizierte Erkrankung zu charakterisieren, wie es das Gesundheitsdepartement in seiner Broschüre tue, sei eine Beleidigung gegenüber den Ärzten und als Fahrlässigkeit gegenüber den Patienten, so MedGes-Präsident Felix W. Eymann.

Es entspricht in der Tat einem Trend, der nun vom Gesundheitsdepartement offenbar gefördert wird: Apotheken funktionieren ihre Geschäfte zu Arztpraxen um. Sie führen Anamnesen durch, stellen Diagnosen, behandeln, beraten und geben Medikamente ab. Bei Bedarf kann ein Arzt per Monitor hinzugeschaltet werden. In Basel bieten beispielsweise die Coop- und Amavita-Apotheken Ohrenchecks an. In anderen Apothekenketten werden Cholesterinspiegel getestet und Herzrhythmusstörungen diagnostiziert. Zunehmend wird auch in den Apotheken geimpft.

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