Basel: Hausärzte attackieren Apotheker | APOTHEKE ADHOC
Schweiz

Basel: Hausärzte attackieren Apotheker

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Berlin -

In der Schweiz sollen Apotheker nach Vorstellungen des Bundesrates in Zukunft zusätzliche Aufgaben in der ambulanten Versorgung übernehmen. Auch Basler Gesundheitsdepartement würde gern sehen, wenn Patienten bei leichten Erkrankungen zum Apotheker statt zum Hausarzt gehen würden. Doch die – eigentlich überlasteten – Hausärzte gehen auf die Barrikaden. Mit Argwohn registrieren sie, dass sich Apotheken auf ihrem Terrain breitmachen.

„Bei unkomplizierten Erkrankungen wie Augen- oder Blasenentzündungen sind die NetCare-Angebote der Apotheken hilfreich“, hieß es in der unlängst erschienenen Informationsbroschüre des Basler Gesundheitsdepartements. Die staatliche Empfehlung an die erkrankte Bevölkerung lautete demnach: Basler sollen bei Krankheit zunächst in eine Apotheke gehen. Dabei könne je nach Ergebnis gleich die erforderliche Medikation vorgenommen werden, führt die Behörde die Vorteile vor Augen.

Die Hausärzte schäumen offenbar. Laut einem Bericht der Baseler Zeitung hat die Medizinische Gesellschaft (MedGes) beim Chef des Gesundheitsdepartements, Lukas Engelberger, Protest eingelegt. Darin beklagen die Ärztevertreter demnach, dass die unter Druck stehenden Hausärzte umgangen würden. „Wieder einmal mehr wird die von Euch so gepriesene Förderung der Hausarztmedizin nicht wahrgenommen“, soll es weiter in dem Brief heißen. Sie würde sogar von hinten durch Aufruf zum Gang in die Apotheke torpediert. Eine Blasenentzündung als unkomplizierte Erkrankung zu charakterisieren, wie es das Gesundheitsdepartement in seiner Broschüre tue, sei eine Beleidigung gegenüber den Ärzten und als Fahrlässigkeit gegenüber den Patienten, so MedGes-Präsident Felix W. Eymann.

Es entspricht in der Tat einem Trend, der nun vom Gesundheitsdepartement offenbar gefördert wird: Apotheken funktionieren ihre Geschäfte zu Arztpraxen um. Sie führen Anamnesen durch, stellen Diagnosen, behandeln, beraten und geben Medikamente ab. Bei Bedarf kann ein Arzt per Monitor hinzugeschaltet werden. In Basel bieten beispielsweise die Coop- und Amavita-Apotheken Ohrenchecks an. In anderen Apothekenketten werden Cholesterinspiegel getestet und Herzrhythmusstörungen diagnostiziert. Zunehmend wird auch in den Apotheken geimpft.

Besonders ärgerlich aus ärztlicher Sicht: Während Apotheker sich immer mehr auf ärztlichem Terrain breit machen, ist es den Hausärzten in Basel verboten, in ihren Praxen Medikamente an die Patienten direkt abzugeben. „Wenn die Apotheker den Ärzten den Verkauf von Medikamenten nicht gönnen, dann sollten sich die Apotheker im Gegenzug gefälligst aus der Beratung und Behandlung von Patienten heraushalten. Oder aber es herrscht freier Markt, wo jeder in seiner Kompetenz behandelt und Medikamente abgibt. Ansonsten herrscht meines Erachtens Ungerechtigkeit“, machte sich ein Arzt, der anonym bleiben wollte, in der Basler Zeitung Luft.

Das Basler Gesundheitsdepartement verweist als Antwort auf das neue Heilmittelgesetz, das vom Bundesparlament verabschiedet worden ist und den Apothekern mehr Freiraum gibt: „Es hat eine Logik, wenn einfache Krankheitsfälle in den Apotheken abgeklärt werden können“, teilte die Behörde der Balser Zeitung mit. Die Absicht sei, die Hausärzte zu entlasten. Sie verwies weiter auf den drohenden Hausärztemangel und bezeichnete es als ein Indiz dafür, dass der Hausarzt weiterhin sehr gefragt sei. Es sei darüber hinaus auch nicht so, dass das Gesundheitsdepartement vom Besuch beim Hausarzt abrate. „Im Gegenteil: Wir unterstützen die Hausarztmedizin und empfehlen auch die Hausarztmodelle der Krankenkassen“, wird die Behörde zitiert.

Der Forderung der Basler Hausärzte, künftig die Regel für die Medikamentenabgabe durch Ärzte aufgrund der Entwicklung in den Apotheken in Basel zu lockern, erteilte die Gesundheitsbehörde eine deutliche Absage. Das stehe nicht zur Diskussion. Im Gegensatz zur Situation auf dem Land habe Basel-Stadt ein dichtes Apothekennetz. Laut dem Bericht ließ das Gesundheitsdepartement auch durchblicken, dass es ein Systemfehler sei, wenn der Arzt an den Medikamenten verdient, die er selber verschrieben hat.

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