Schweiz

Miniklinik in der Apotheke

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Berlin -

In einer Basler TopPharm-Apotheke können sich Patienten schon bald per Videoschaltung mit einem Arzt verbinden lassen. Angeboten wird das Konzept des Telemedizin-Anbieters Medgate, der mit seinen Minikliniken in der Schweiz expandieren will.

Wer sich krank fühlt, will sich schnell behandeln lassen. Am besten ohne lange Wartezeiten beim Arzt oder in der Notaufnahme. Telemedizin-Anbieter Medgate will mit Minikliniken in Apotheken Patienten, die es eilig haben, versorgen.

Ab dem 8. September startet das Angebot in der Toppharm-Apotheke am Barfüsserplatz in Basel. Eine Praxisassistentin empfängt Patienten, übernimmt Routineuntersuchungen und einfache Labortests vor Ort. Bei Bedarf kann ein Arzt aus dem Telemedizinischen Zentrum von Medgate via Monitor live hinzugeschaltet werden, was nach Angaben des Unternehmens auch in 90 Prozent der Konsultationen auch tatsächlich passiert.

Herzstück der Miniklinik ist eine Telebiometrie-Station, die erlaubt, Biodaten und Bilder – beispielsweise von Gehörgang oder Rachenraum des Patienten – an den zugeschalteten Arzt zu übertragen. Dadurch, dass im Telemedizinischen Zentrum nicht nur Allgemeinmediziner, sondern auch Fachärzte arbeitet, könnten in den Minikliniken auch Spezialistenleistungen angeboten werden, preist Medgate das neue Angebot an. Langfristig soll dadurch ein breites Leistungsspektrum, vergleichbar mit demjenigen einer Poliklinik, angeboten werden.

Punkten will der Anbieter mit tieferen Kosten: „Eine Konsultation in der Mini-Klinik kostet durchschnittlich mindestens ein Drittel weniger als ein Praxisbesuch“, sagte eine Medgate-Sprecherin der Zeitung Blick.

Die Rechnung: Eine einfache Konsultation ohne Videoschaltung soll in der Einführungsphase 58 Franken kosten. Den Betrag muss der Patient selbst tragen. Für den Arzt-Chat oder Laboruntersuchungen kommen zwischen 30 bis 50 Franken hinzu, die nach Tarmed-Tarif verrechnet und laut Medgate entsprechend von den Krankenversicherern übernommen werden. Unter dem Strich kostet der Besuch einer Miniklinik rund 100 Franken. Eine Arztkonsultation bei einem Grundversorger soll dagegen im Schnitt rund 186 Franken zu Buche schlagen.

Medgate spricht von einem großen Potenzial: In den nächsten fünf Jahren will man bis zu 150 Standorte aufbauen. Allein in den kommenden sechs Monaten sollen fünf weitere Minikliniken eröffnen. Sie werden in den Kantonen Basel-Landschaft, Bern, Zürich, Graubünden sowie in der Region Innerschweiz entstehen.

Das Angebot soll zusätzlich zum Projekt „Netcare“ entstehen, das bereits mehr als 300 Apotheken anbieten. Ebenfalls ohne Voranmeldung erhalten Patienten dort rasch, diskret und unkompliziert medizinische Beratung und Hilfe bei akuten Beschwerden oder kleinen Verletzungen. Anhand der von Ärzten und Apotheken gemeinsam entwickelten und wissenschaftlich fundierten Algorithmen nimmt der weitergebildete Apotheker Erstabklärungen der gesundheitlichen Beschwerden vor. Auch hier kann kann der teilnehmende Apotheker bei Bedarf per Telefon oder PC einen Telemediziner hinzuholen.

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