Video-Arztbesuch in der Apotheke

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Berlin - Statt zur Arztpraxis in die Apotheke. Weil ihnen selbstdispensierende Ärzte das Wasser abgraben, gehen in der Schweiz die Apotheker zum Gegenangriff über: Patienten können künftig direkt in der Apotheke per Videoverbindung einen Mediziner konsultieren. Im Anschluss kann der Arzt ein Rezept direkt an die Apotheke faxen. Das Pilotprojekt „netCare“ startet Anfang April und ist auf zwei Jahre angelegt, rund 200 Apotheken sollen sich beteiligen. Der Apothekerverband Pharmasuisse führt den Pilot zusammen mit dem Telemedizin-Anbieter Medgate und Helsana, der größten Krankenkasse der Eidgenossenschaft, durch.

Die Apotheken müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Gefordert wird ein separater Raum. Zudem werden 20.000 Schweizer Franken (rund 16.500 Euro) für die technische Ausstattung – die Übertragung erfolgt über eine geschützte Leitung – und für die Schulungen fällig. In den mehrtägigen Workshops lernen die Pharmazeuten vor allem, in welchen Fällen sie per Videoübertragung einen Medgate-Arzt zuschalten sollen und wann eine direkte Verweisung an Arztpraxen oder Spitäler angezeigt ist.

Ab April soll der Pilot die 20 häufigsten Krankheiten abdecken können, Patienten mit Rückenbeschwerden sollen in rund 100 Apotheken in der deutschsprachigen Schweitz bereits ab Mitte Januar die Telemedizin nutzen können.

Bei Erfolg soll die Teilnahme an „netCare“ allen schweizerischen Apotheken angeboten werden. Pharmasuisse, Medgate und Helsana sehen in dem Projekt eine Chance, auf die zunehmende Belastung von Notfallzentren und den erwarteten Rückgang bei den Hausärzten zu reagieren.

Laut Pharmasuisse-Präsident Dominique Jordan entlasten die Apotheker die Ärzte von Bagatellfällen; die Patienten könnten an sechs Tagen pro Woche mit einer Fachperson sprechen – zu geringeren Kosten. Auch bei Helsana verspricht man sich Einsparungen. Mit weiteren Kassen wird nach Angaben eines Pharmasuisse-Sprechers über eine Teilnahme am Projekt verhandelt.

Medgate wurde 1999 gegründet und bietet rund um die Uhr telemedizinische Beratung per Telefon, Internet und Video an, darunter auch die Betreuung von Chronikern. Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten für ihre Versicherten, andernfalls müssen die Patienten einen Mitgliedsbeitrag von jährlich 100 Franken (für Familien 150 Franken) zahlen.

 

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