Wieso stellen nicht alle Heime Apotheker ein?

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Berlin -

Polypharmazie erhöht das Risiko auf Wechselwirkungen und Nebenwirkungen, vor allem aus Pflegeheimen ist dieses Problem bekannt. Eine Lösung wäre die Anstellung von klinischen Pharmazeuten, die in Zusammenarbeit mit Ärzten die Arzneimitteltherapie der Patienten kontrollieren und optimieren. Doch die pharmazeutische Betreuung möchte auch bezahlt werden – hierzulande Fehlalarm. Anders sieht es in zwei Kantonen der Schweiz aus: Freiburg und Wallis haben für jedes Pflegeheim einen „Vertrauensapotheker“ eingestellt, der für die Medikation mitverantwortlich ist und auch dafür honoriert wird. Das begrüßt auch Apothekerin Dr. Brigitte Morand, die am Kantonspital Aarau (KSA) in der Spitalpharmazie tätig ist. Aus ihrem Berufsalltag weiß sie, wie wichtig die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Ärzten für die Lebensqualität der Patienten ist.

Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für Erkrankungen und damit die Einnahme von vielen verschiedenen Medikamenten. Doch dies ist mit erheblichen Risiken verbunden. Jährlich kommt es in Deutschland zu mehreren hunderttausend Krankenhauseinweisungen wegen vermeidbarer Medikationsfehler, die wiederum Zusatzkosten für das Gesundheitssystem bedeuten. Anders könnte es aussehen, wenn klinische Pharmazeuten eingesetzt werden, die frühzeitig solche Fehler in der medikamentösen Therapie erkennen. Klinikapotheker kennen Medikamente, Dosierung und Nebenwirkungen und prüfen die Verträglichkeit, Wirtschaftlichkeit sowie den Zweck neuer und alter Therapien, ohne den Arzt in seiner Therapiefreiheit einzuschränken.

Eine Expertin für klinische Pharmazie ist Morand, die seit ein paar Jahren mit zwei Aargauer Pflegeheimen, einem regionalen Akutspital und zwei Reha-Kliniken zusammenarbeitet. Die Apothekerin besucht regelmäßig die Heime und kontrolliert die Arzneimittel der oft multimorbiden Bewohner. „Wir fokussieren uns auf die medikamentöse Therapie und machen Vorschläge, um den größtmöglichen Nutzen für die Patienten zu erhalten.“ Und dieser sei nur mit einer Zusammenarbeit mit den Ärzten zu erreichen: „Wir können nur voneinander profitieren, wenn wir uns austauschen. Nur so gewinnt der Patient“, sagt die Pharmazeutin. Zu ihren weiteren Aufgaben gehöre der Arzneimittelinformations- und der Bereitschaftsdienst sowie die Fortbildung von Ärzten und dem Pflegepersonal.

Der Stoffwechsel von alten Menschen unterscheidet sich von denen anderer Personen. Im Alter ist der Arzneimittelmetabolismus verändert. Die Leistungsfähigkeit der Organe nimmt ab, was in der Regel eine Dosisanpassung zur Folge hat. „Die Nierentätigkeit nimmt im Alter ab, die Zusammensetzung von Fett- und Muskelmasse ist verschieden. Und Medikamente zur Behandlung von Krankheiten des zentralen Nervensystems (ZNS) wirken intensiver“, ergänzt die Spitalapothekerin.

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