E-Rezept: Keine Komplett-Einführung am 1. Januar

, Uhr

ADHOC: Die Gematik hatte als Grund für die Verschiebung aber hauptsächlich den Mangel an E-Rezept-fähigen PVS und Versicherten mit Zugang zum vollen Funktionsumfang der E-Rezept-App genannt. Unter anderem von einer Krankenkasse kam deshalb der Vorwurf mangelnder Transparenz. Ist der berechtigt?
KLOSE: Ich bin kein Freund von Schuldzuweisungen. Ich kann nicht nachvollziehen, dass die Kassen das nicht wussten, denn sie sind ja über den GKV-Spitzenverband in der Gematik vertreten. Dass sich eine Einzelkasse manchmal eine stärkere Information wünscht, ist am Ende des Tages nachvollziehbar. Die Frage ist, was möglich und sinnvoll ist. Mit Blick nach vorn ist es wichtig, dass wir klar und transparent über Fehler informieren. Ich wünsche mir aber auch ein Umdenken, dass Fehler nicht skandalisiert werden. Denn nicht der Fehler ist der Skandal, sondern dass jahrzehntelang eine Nicht-Digitalisierung geduldet wurde. Wenn sich alles um uns herum digitalisiert und man in jeder Branche die Vorteile sieht, kann es doch nicht sein, dass das nur im deutschen Gesundheitswesen nicht der Fall ist. Ich bin überzeugt, dass digitale Lösungen unsere Gesundheitsversorgung revolutionieren werden. Das E-Rezept, die E-AU und auch die Elektronische Patientenakte machen Digitalisierung erlebbar. Das wird den Prozess beschleunigen.

„Alle müssen aktiver werden“

ADHOC: Müssten denn Spitzenverbände, die im Gesellschafterrat der Gematik sitzen, ihre Mitglieder aktiver informieren und ins Boot holen?
KLOSE: Alle müssen aktiver werden. Denn digitale Transformation hat viel mit Emotionen und Ängsten zu tun. Und denen begegnet man am besten mit offener und transparenter Kommunikation. Wir haben als BMG damit begonnen: Wir haben mehrfach die Spitzen der Gesellschafter eingeladen und uns mit ihnen über Kommunikationspfade abgestimmt. Kommunikation ist der entscheidende Schlüssel zum Erfolg. Aber wir dürfen nicht nur über Technik reden, sondern wir müssen auch über die Anwendungen und ihre Potenziale für die Prozesse im Gesundheitswesen sprechen. Das muss aber auch aus der Selbstverwaltung kommen.

ADHOC: Besondere Bedeutung kommt auch der Frage zu, welche Daten Drittanbieter aus der E-Rezept-App der Gematik importieren dürfen. Dazu wird seit dem Sommer eine Rechtsverordnung des BMG zum DVPMG erwartet. Wo bleibt die?
KLOSE: Uns sind die Themen Innovation und Mehrwert in dem Kontext wichtig, deshalb ist es gut, dass es eine Verordnung geben wird. Diese Verordnung wird in den kommenden Wochen veröffentlicht. Aus meiner Sicht wird es eine gute Balance aus Sicherheit, Mehrwert und Innovationsfähigkeit. Sie können sicher sein, dass wir Themen wie Datenschutz, Datensicherheit und Makelverbot mit Convenience und Mehrwerten in Einklang bringen werden.

ADHOC: Diese Verordnung wird vor allem in der Vor-Ort-Apotheken-Branche mit Sorge erwartet, weil sie auch den Spielraum für die Anwendungen von Versandapotheken abstecken wird. Können Sie die Sorge der Vor-Ort-Apotheken nachvollziehen, dass das E-Rezept die Versender stärkt?
KLOSE: Ich freue mich erst einmal, dass die Apotheken mittlerweile viel mehr die Chancen des E-Rezepts sehen. Denn ich bin überzeugt, dass sich zum Beispiel in Kombination mit dem Botendienst sehr viele Möglichkeiten bieten, auch die Vor-Ort-Apotheke in einer digitalen Welt deutlich stärker zu platzieren. Man sieht auch hier in anderen Branchen, wie viele Bereiche von einem rein digitalen Handel zurück ins teilstationäre Geschäft gehen. Am Ende braucht man eine gute Mischung und dann hängt es tatsächlich davon ab, wie erfolgreich die Mehrwertpositionierung der Branche und jeder einzelnen Apotheke ist. Ich glaube, da ist der DAV mittlerweile gut aufgestellt und treibt auch aus seiner Perspektive die Themen sehr gut nach vorn, sodass ich mir da gar nicht so viele Sorgen machen würde, wenn sich die Apotheker richtig darauf einstellen. Der reine Onlinehandel wird kein so großes Feld werden, wenn die Mehrwerte, die man vor Ort hat, richtig genutzt werden. Was wir als BMG im Rahmen des digitalen Impfzertifikates erkannt haben ist, dass es möglich ist, die Vor-Ort-Apotheken mit digitalen Prozessen zu stärken.

Bleiben Sie auf dem aktuellsten Stand und abonnieren Sie den Newsletter von APOTHEKE ADHOC.

 

Lesen Sie auch

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
Video-Interview Michael Theurer (FDP)
Impfpässe: Das will die FDP von den Apotheken »
Ampel will AMNOG reformieren
Hersteller fürchten höhere Rabatte »
Mehr aus Ressort
Wenig Interesse an Telemedizin
Stada-Umfrage: Arzt sticht App »
Streit um zusätzliche SMC-B
Benkert schießt gegen Gematik »
Weiteres
Wenig Interesse an Telemedizin
Stada-Umfrage: Arzt sticht App»
EU muss Schnittstellen-Verordnung absegnen
E-Rezept: Vorerst keine Daten für Vor-Ort-Plattformen»
Beeinflussung von Metastasen
Palmfett, Rezeptoren und Krebs»
Strafrechtler Dr. Patrick Teubner
FAQ: Gefälschte Impfausweise»