Bürokratische Hürden vs. Krisenversorgung

„Wir bräuchten eine Notstands-PZN“ APOTHEKE ADHOC, 16.03.2020 14:32 Uhr

Berlin - „Systemrelevant ist mein neues Lieblingswort!“ Emel Özgen hat sich den Humor bewahrt, obwohl ihr eigentlich überhaupt nicht zum Lachen zumute ist. Wie tausende Kollegen in Deutschland beweist sie gerade, dass Apotheken für die öffentliche Gesundheit nicht verzichtbar sind. Doch statt sich voll auf Versorgung und Beratung konzentrieren zu können, müssen sich Apotheker und PTA weiter mit dem Bürokratie-Monster herumschlagen, das ist nämlich immun gegen Sars-CoV-2. Es wäre jetzt eigentlich so weit, wenigstens während der Krise zeitraubende Regularien auszusetzen, fordert Özgen – und erhält dafür massenhaft Zuspruch.

Özgen gibt gerade ihr Bestes, sowohl für die Patienten als auch für ihr eigenes Team: Die Menschen sind verunsichert und kommen zahlreich, gerade deshalb müssen aber sowohl Patienten als auch Mitarbeiter geschützt werden. Plexiglas, Abstandsmarkierungen, neue Arbeitspläne, um die Mitarbeiter in Teams einzuordnen, besondere Hygienemaßnahmen wie Handschuhe und dergleichen mehr. All das müssen Özgen und ihre Mitarbeiter im laufenden Betrieb schultern. Es wäre schon so mehr als genug. Gerade in solchen Situationen fällt auf, wie sehr der politisch verordnete Sparzwang die Versorgung beeinträchtigt.

„Lieber Spahn, Lieber Schmidt, liebe ABDA, liebe Krankenkassen und alle, die denken, sie müssten über das Gesundheitssystem bestimmen“, wendete sich Özgen deshalb am Samstag mit einem Facebook-Post an die Öffentlichkeit. „Setzt alle Rabattverträge aus und lasst uns Apotheker in Ruhe arbeiten. Setzt alle hemmenden Reglungen mindestens sechs Monate aus. Jeder Arzt hat was Besseres zu tun, als mit Apotheken über Preisanker zu telefonieren. Jeder Apotheker hat anderes zu bewältigen, als blöde Sonder-PZN zu drucken und zu begründen.“ Und obendrauf kommen noch die massenhaften Lieferengpässe. „Die Lieferfähigkeit hat enorm abgenommen“ erklärt Özgen auf Anfrage. „Wir telefonieren hier wegen der geringsten Stärken herum. Wir müssen ständig irgendwo anrufen und der Arzt sagt dann: ‚Klar, geben Sie ihm das doch, wenn Sie nichts anderes bekommen!‘“

Denn den Ärzten geht es nicht besser als den Apothekern. „Es ist jedes Mal eine Riesenhürde, den Arzt ans Telefon zu kriegen, die sind genauso überlastet. Denen fallen zum Teil Arzthelferinnen aus, weil die Kinder nicht in die Schule können.“ Und sie weiß, wovon sie redet: Sie steht selbst vor dem Problem, dass ihre Kinder nicht in die Schule können.

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