Sommer ohne Corona?

Wie sich das Wetter auf die Pandemie auswirkt

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Berlin -

Nun wurden alle Jahreszeiten innerhalb der Pandemie einmal durchgespielt. Auch wenn die Infektionszahlen im Sommer drastisch zurückgegangen sind, ganz „verschwunden“ ist Sars-CoV-2 dabei im vergangenen Jahr nie. Doch Temperatur und Luftfeuchtigkeit haben Auwirkungen auf die Virusverbreitung. Zyprische Wissenschaftler sind den Wetterauswirkungen in einer Studie nachgegangen. Wird der kommende Sommer eventuell nahezu Corona-frei?

Das Wetter hat Auswirkungen auf die Verbreitung von Viren. Dies ist auch bei Sars-CoV-2 der Fall. Forscher der University of Nicosia in Nikosia (Zypern) sind dem genauen Einfluss nachgegangen und haben ein bestehendes klassisches Modell zum Pandemieverlauf um einen Index – Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Windgeschwindigkeit – ergänzt.

Das Wissen über Klimaeffekte auf das Überleben sowie die Übertragung von Sars-CoV-2 und anderen Viren ist laut den Studienautoren Dimitris Drikakis und Talib Dbouk begrenzt. Zwar wüsste man, dass Virusinfektionen im Winter häufiger auftreten, doch die genauen Mechanismen und Klimaparameter, die das Überleben, die Konzentration und die Krankheitsübertragung des Virus beeinflussen, seien unbekannt. Die Berücksichtigung der zusätzlichen Parameter liefere neue Einblicke in die Auswirkungen des Wetters auf die aktuelle Pandemie.

Wetter hat große Auswirkungen auf die Verbreitung von Sars-CoV-2

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass saisonale Wetterbedingungen bislang eine unterschätzte Rolle beim Verlauf der Corona-Pandemie gespielt haben. Nicht nur Abstands- und Hygieneregeln sollten bei der modelhaften Berechnung zur Ausbreitung des Virus miteinbezogen werden. „Bei Pandemien, bei denen keine massiven und wirksamen Impfungen verfügbar sind, sollte die Regierungsplanung längerfristig sein, indem Wettereffekte berücksichtigt und die Richtlinien für öffentliche Gesundheit und Sicherheit entsprechend gestaltet werden“, werden die Wissenschaftler in der Mitteilung des Fachmagazins zitiert.

Je wärmer es draußen ist, desto schneller trocknen wasserhaltige Aerosole aus. Hierdurch schrumpfen die Aerosole, sie werden leichter und verbleiben länger in der Luft. Gleichzeitig führt die Trockenheit aber auch dazu, dass das Virus austrocknet. Es wir schneller „abgetötet“. Mehr Wind sorgt für einen besseren Luftaustausch. Ähnlich wie das empfohlene regelmäßige Lüften kommt es an windigen Tagen zu weniger Aersolbildung. Hohe Temperaturen im Sommer und eine moderate Windgeschwindigkeit seien laut Forschern für die Übertragung des Virus eher schlecht.

Corona mag keinen Sommer

Je wärmer der Tag und je wolkenloser der Himmel, desto schneller die Viruszerfallzeit. UV-Strahlung wirkt schädlich auf das Virus. An sonnigen Tagen zerfällt Sars-CoV-2 bereits binnen ein bis drei Stunden. An wolkigen und bedeckten Wintertagen verbleibt das Virus über sechs Stunden replikationsfähig in der Umwelt. Generelle Aussagen über die genaue Dauer können nicht gemacht werden. Hier müssen sich weitere Untersuchungen anschließen, so auch das Urteil der Forscher.

Doch auch das Verhalten der Menschen wirkt sich im Sommer positiv auf die Pandemie aus. Bei steigenden Temperaturen verbringen die Menschen mehr Zeit draußen. Dort ist die Gefahr einer Ansteckung weitaus geringer, als in geschlossenen Räumen. Und selbst in denen wird im Sommer konsequenter gelüftet, als bei Minusgeraden. Weiterhin ist das Immunsystem im Sommer stärker, der Organismus kann Infekte besser abwehren. Alle Punkte zusammen lassen vermuten, dass die Infektionszahlen in den Sommermonaten erneut zurückgehen könnten. Inwieweit die aktuellen Mutationen wetterunempfindlicher sind, ist aktuell noch unklar.

 

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