Corona-Impfplan: 15 Minuten in der Kirche

, Uhr
Berlin -

Noch vor Weihnachten könnten die ersten Impfstoffe gegen Corona zugelassen und erste Mengen ausgeliefert werden. Entsprechend laufen die Vorbereitungen für die anstehenden Massenimpfungen auf Hochtouren. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat dazu einen nationalen Impfplan vorbereitet. Der Entwurf sieht drei Impfphasen vor. Das Ziel ist klar: „Im Jahr 2021 soll bereits eine hohe Durchimpfungsrate erzielt werden.“ Länder und Kommunen sollen die Impfungen in Impfzentren durchführen. Sie dauern 15 Minuten. Auch Kirchen könnten dafür in Frage kommen.   

„Zielvorgabe ist die schnellstmögliche Bereitstellung von wirksamen und sicheren Impfstoffen in einer ausreichenden Menge“, heißt es in Spahns Impfkonzept. Grundsätzlich werde angestrebt, mögliche Impfstoffe nach Zulassung der gesamten Bevölkerung zugänglich zu machen. Zu Beginn würden jedoch vermutlich „limitierte Mengen von verschiedenen Impfstoffen zur Verfügung stehen“. Daher sei bei der Impfempfehlung durch die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Priorisierung von vorrangig zu impfenden Personengruppen erforderlich. Aufgrund der Priorisierung von Zielgruppen, der begrenzten Anzahl an Impfstoffdosen, der besonderen Produkteigenschaften bei Lagerung und Transport sei in einer ersten Phase die Durchführung der Impfungen in zentralen Impfzentren und mit mobilen Teams sinnvoll. „Sobald ausreichende Impfstoffmengen zur Verfügung stehen, wird angestrebt, die Impfaktivitäten in das Regelsystem übergehen zu lassen“, so das Konzept.

Um eine ausreichende Verfügbarkeit von COVID-19-Impfstoffen in Deutschland möglichst zeitnah sicherzustellen, beschaffe der Bund über einen europäischen Beschaffungsmechanismus Impfstoffe zentral. Zum jetzigen Zeitpunkt Anfang November sei auf EU-Ebene bereits der Zugang zu bis zu 800 Millionen Dosen für die europäische Bevölkerung von verschiedenen Herstellern gesichert worden. Diese Dosen würden im Verhältnis zur jeweiligen Bevölkerungszahl auf die EU-Mitgliedstaaten verteilt: „Einige Impfstoffhersteller haben noch im Jahr 2020 eine mögliche erste Auslieferung von Impfstoffdosen an die EU-Mitgliedstaaten in Aussicht gestellt.“

Besondere Anforderungen an Transport- und Lagerungsbedingungen müssten bei der Planung berücksichtigt werden: Bei bestimmten Impfstoffkandidaten (mRNA-Impfstoffen) bestünden spezielle Anforderungen an die Lagerung (Kühlkette, Temperaturen unter -60°C). Es werde zudem erwartet, dass die Impfstoffe in Mehrdosenbehältnissen geliefert werden. Es sei davon auszugehen, dass benötigtes Impfzubehör (Spritzen, Kanülen) und benötigtes Lösemittel nicht im Lieferumfang enthalten seien: „Demzufolge sollte die Zurverfügungstellung des Impfzubehörs und gegebenenfalls erforderlichen Lösemittels durch die Länder sichergestellt werden.“

Die bisher durch die EU-Kommission mit den Impfherstellern abgeschlossenen Verträge sähen vor, dass die Hersteller Impfstoffdosen an zentrale Stellen in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten liefern. Die Verteilung der Impfdosen in Deutschland soll nach dem Bevölkerungsanteil des jeweiligen Bundeslandes an von den Ländern benannte Stellen erfolgen. Aufgrund der besonderen Pandemiesituation sollen in einer ersten Phase COVID-19-Impfungen über Impfzentren, denen auch mobile Impfteams angehören sollen, durchgeführt werden.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Mehr zum Thema
Apothekerin warnt vor Verteilungskampf um Impfstoff
Comirnaty-Bestellungen um 50 Prozent gekürzt »
Weiteres
Kriedel: „Er tritt die Motivationsbremse noch weiter durch“
Ärzte rechnen mit Spahn ab: „Grenze des Machbaren weit überschritten“»
„Versuchskaninchen im Gesundheitswesen“
E-Rezept: Ärzte wollen Einführung mit Petition stoppen»
Einführung trotz winziger Testzahlen
E-Rezept: BMG hält am 1. Januar fest»
Pessina will Apothekenkette verkaufen
Bericht: Walgreens bald ohne Boots»