Grippeschutz: Zu niedrige Impfquoten, zu wenig Aufklärung

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Berlin - Die Grippeschutzimpfung scheint in diesem Jahr so begehrt wie noch nie zu sein – ein Nebeneffekt der Corona-Pandemie. Denn auch wenn es sich um zwei verschiedene Erkrankungen und Viren handelt, so überschneiden sich die Risikogruppen in weiten Teilen. Insgesamt sind die Impfquoten in Deutschland jedoch noch immer viel zu niedrig. Das liege auch an mangelnder Aufklärung, kritisieren Experten.

Jedes Jahr versuchen sich Ärzte und Apotheken auf die Grippesaison vorzubereiten. In diesem Jahr steht man dabei vor einer besonderen Situation: Denn auch die Zahl der Corona-Infektionen steigt erwartungsgemäß im Herbst deutlich an. Als klassische Grippesaison gilt der Zeitraum zwischen Anfang Oktober und Mitte Mai – die Hauptsaison für Influenza steht damit noch bevor.

60+: Nur 35 Prozent sind geimpft

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für Senioren einen Durchimpfungsgrad von 75 Prozent – in Deutschland sind jedoch grade einmal 35 Prozent der über 60-Jährigen gegen die Grippe geimpft. Professor Dr. Klaus Wahle, Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin und Diabetologie, sowie ehemaliges Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO), empfindet dies als „Katastrophe“. Er findet, das größere Interesse an der Influenza-Impfung sollte genutzt werden, um die Bedeutung zu unterstreichen – „nicht nur für einen Individualschutz, sondern einen Bevölkerungsschutz“, erklärt er.

Wichtig seien dafür nicht nur die Standardimpfungen, sondern auch die Indikationsimpfungen – beispielsweise bei gesundheitlichen Vorschädigungen wie chronischen Erkrankungen, einer Gefährdung durch die Lebensweise oder beruflicher Gefährdung. Diese würden derzeit jedoch nur unzureichend umgesetzt. In den unteren Altersklassen seien die Impfquoten deshalb extrem niedrig. Erst ab einem Alter von etwa 70 Jahren würden die Quoten langsam steigen. Doch auch hier ist noch Luft nach oben.

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