Begleitender Unterricht

Nach PhiP-Protest: Kammer verlegt Seminar ins Netz

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Berlin -

Nina Hesse hat keine Angst vor dem Coronavirus – die angehende Apothekerin steht immerhin jeden Tag selbst hinter dem HV-Tisch und hat viel Kontakt mit Kunden. Trotzdem findet sie es sinnlos, sich unnötigen Risiken auszusetzen. Deshalb machte sie sich dafür stark, dass eine Veranstaltung für Pharmazeuten im Praktikum (PhiP) abgesagt wird. Und gerade eben hat die Bayerische Landesapothekerkammer (BLAK) tatsächlich beschlossen, das Ganze als Webinar abzuhalten.

Während ihres Praktischen Jahrs müssen die angehenden Apotheker ihren „begleitenden Unterricht“ absolvieren. Die BLAK veranstaltet die Blockseminare jeweils zwei Wochen im Frühjahr und im Herbst in München und Regensburg. Auf der Kammerseite heißt es dazu: „Der Besuch des begleitenden Unterrichts ist für PhiP Pflicht. Sie werden dafür von ihrem Betrieb freigestellt. Es empfiehlt sich, die Veranstaltungen komplett in Regensburg oder in München zu besuchen.“

Und genau das fand Nina Hesse aktuell reichlich unpassend: „Ist denn zu Zeiten von Corona, in denen jeden Tag neue Fälle auftreten und größere Menschenmengen gemieden werden sollten, sinnvoll, diesen Kurs als Präsenzveranstaltung durchzuführen?“ Viele PhiP würden derzeit in Apotheken arbeiten und könnten so im schlimmsten Fall eine Kettenreaktion auslösen, die zur Schließung diverser Apotheken in Deutschland führen können, mahnte die Pharmazeutin.

Sie hat an der Universität Würzburg studiert, hätte eigentlich in der kommenden Woche nach München zum Seminar „Pharmazeutische Praxis“ gemusst. Da sie ihr Praktisches Jahr in der Barbara-Apotheke in Voerde absolviert, hätte sie mit dem Zug von Nordrhein-Westfalen aus nach München reisen müssen, um an der Veranstaltung teilzunehmen. Auch viele ihrer Kommilitonen müssten von weiter weg anreisen. „Ich will sicherlich keine Panik verbreiten, aber zum Beispiel über Webinare hat man ja eine einfache und sichere Alternative“, schlug sie vor.

Hesse hat sich nach eigenen Angaben zunächst an die ABDA und die Bundesapothekerkammer (BAK) gewandt, sei von dort aber an die BLAK verwiesen worden. Dort hieß es, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Hesse hat dafür wenig Verständnis. Rund 250 PhiP könnten nach München reisen. „Ich frage mich, warum ich da überhaupt diskutieren muss“, so die angehende Apothekerin.

Da es sich bei dem begleitenden Unterricht um eine Pflichtveranstaltung handelt, fühlte sie sich auch persönlich unter Druck: „Man stellt mich vor die Wahl – Gesundheit oder Ausbildung.“ Von ihren Kommilitonen hat sie unterschiedliche Reaktionen gehört: Die einen hielten das Ganze für Panikmache, andere teilten ihre Sorgen. „Ich fühle mich in der Sache einfach unwohl“, gibt die PhiP zu.

Sandra Hoppe ist bei der BLAK für die Apothekerausbildung, Fachsprachenprüfung und Weiterbildung zuständig. Auf Nachfrage teilte sie gegenüber APOTHEKE ADHOC mit: „Wir haben soeben beschlossen, das Ganze als Webinar stattfinden zu lassen.“ Neben Hesse hätten sich weitere PhiP bei der Kammer gemeldet und eine Absage der Vor-Ort-Veranstaltung gefordert.

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