Lindner: Apotheken sollen bundesweit FFP2-Masken abgeben | APOTHEKE ADHOC
FDP fordert „Modifikation der Strategie“

Lindner: Apotheken sollen bundesweit FFP2-Masken abgeben

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Berlin -

FDP-Chef Christian Lindner schlägt vor, dass Apotheken zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie kostenlos FFP2-Masken abgeben sollen. Am Freitag kritisierte er im ARD Morgenmagazin die Verhängung eines zweiten Lockdowns durch die Bundesregierung und fordert differenziertere Maßnahmen zum Infektionsschutz. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) widerspricht.

„Wir haben immer noch Zweifel, dass das das richtige Instrument ist“, so Lindner über den aktuellen Lockdown. „Klar ist, wir müssen die Kontakte beschränken, daran kann es gar keinen Zweifel geben. Aber die Frage, die sich stellt, ist, was ist die richtige Antwort zu diesem Zeitpunkt.“ So habe es keinen Effekt auf die Pandemieentwicklung, Bereiche wie die Gastronomie zu schließen, wo auf Hygiene und Abstand geachtet werden kann – „zumindest keinen größeren Effekt auf die Pandemie im Verhältnis zu dem Schaden, der entsteht“, so Lindner. Dass die Gastronomie bei der Verbreitung des Virus keine größere Rolle spiele, sei zumindest umstritten, ordnet der Moderator Lindners Aussage kurz darauf ein. Tatsächlich sind jüngst veröffentlichte Studien – beispielsweise der US-Universität Stanford – zu gegenteiligen Ergebnissen: Demnach ereignet sich sogar der Großteil der Infektionen in Restaurants und Cafés.

Der FDP-Chef fordert hingegen differenziertere Maßnahmen als einen pauschalen Lockdown, wie er sagt: „Ich glaube, angesichts der Zahlen müssen wir über eine Modifikation der Strategie nachdenken.“ Ihn besorge insbesondere, dass ältere Menschen in zunehmendem Maße betroffen seien. Da wünsche er sich von der Regierung eine Antwort. Welche Maßnahmen dabei infrage kämen, beantwortete er gleich selbst: „Um mal Vorschläge zu machen: Warum geben wir nicht die Masken mit besonderer Schutzqualität – FFP2 – in Apotheken an Menschen mit Vorerkrankungen, Über-60-Jährige kostenfrei ab?“, so Lindner.

Tatsächlich läuft genau solch eine Aktion heute in Bremen: Die Apotheken im Stadtstaat haben vom Senat jeweils 3000 FFP2-Masken erhalten, die sie kostenlos an ältere Menschen abgeben sollen. 10 Stück pro Person sollen die Senioren erhalten, in einer zweiten Runde sollen auch Menschen aus anderen Risikogruppen kostenlose Masken erhalten.

Eine weitere sinnvolle Schutzmaßnahme würde Lindner in speziellen Öffnungszeiten im Einzelhandel sehen. Man könne Zeitfenster definieren, beispielsweise von 10 bis 12 Uhr, in denen im Lebensmitteleinzelhandel nur ältere oder besonders gefährdete Menschen einkaufen können. Lindner plädiert darüber hinaus dafür, bei der Pandemiebekämpfung mehr auf Eigenverantwortung zu setzen als auf generelle Beschränkungen. Die hohen Zustimmungswerte in der Bevölkerung zu den Maßnahmen der Regierung seien „eher ein Kompliment an die Bevölkerung“ als an die Arbeit der Regierung. Sie würden „weniger aussagen über die Qualität der Regierungspolitik und mehr über das Verantwortungsbewusstsein und die Vernünftigkeit der Menschen.“

Den Eindruck, dass er Einschränkungen des öffentlichen Lebens zur Pandemiebekämpfung rundum ablehne, will Lindner allerdings nicht aufkommen lassen. Massenevents, Partys, große Familienfeste und Hochzeiten könne es im Moment nicht geben. „Da brauchen wir auch die Ordnungsbehörden, die einschreiten“, so Lindner, „aber die Gastronomen, die sich vorbereitet haben auf Herbst und Winter, die zum Beispiel draußen ein Zelt aufgebaut haben, die einen Heizpilz haben, da sehe ich kein Problem.“ Denn man müsse schauen, „dass wir eine Strategie haben, die durchhaltbar ist“.

Bereits kurz darauf hat Spahn Lindner widersprochen. Ein besonderer Schutz für Ältere und sonstige Risikogruppen könne den derzeit geltenden Lockdown nicht ersetzen: „Das ist keine Alternative, die Risikogruppen zu schützen oder jetzt die Zahlen im November runterzubringen – beides muss passieren“, so Spahn im Morgenmagazin. Es sei mit Blick auf geltenden Beschränkungen noch zu früh, die Auswirkungen zu bewerten. „Wir sehen in den Zahlen, das Maßnahmen zeitverzögert wirken. Und jetzt sind gerade einmal zehn Tage her, seitdem die neuen Maßnahmen in Kraft getreten sind.“ Zwar sei die Ausbreitung des Virus momentan bereits verlangsamt. „Aber wir müssen runter. Da sind wir eben noch nicht, wo wir hinmüssen.“

 

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