Impfnachweise: Apotheker drohte DAV mit Schadensersatzklage

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Berlin -

Der Start der Ausstellung der digitalen Impfnachweise durch Apotheken verlief mitunter holprig. Während einige zunächst keine QR-Codes generieren konnten, weil sie kein Mitglied eines Landesapothekerverbands waren, funktionierte es bei anderen aus unerklärlichen Gründen nicht. Ein Apotheker erwog sogar juristische Schritte.

Apotheker Hans-Jürgen Schweigle aus Magdeburg meldete sich zeitnah für die Ausstellung der Zertifikate an. „Ich habe es gleich gemacht, als es akut war und die technischen Möglichkeiten konkret wurden.“ Seit März war er Mitglied im Verband. Doch einen Zugang habe er nie vom Deutschen Apothekerverband (DAV) geschickt bekommen. Telefonisch jemanden zu erreichen, sei sehr schwer gewesen.

Der Apotheker probierte es dennoch und wartete auf seine Freischaltung. Die Zeit verging und er musste immer wieder Kund:innen vertrösten. „Man hat uns in der Luft hängen lassen“, sagt er. Als Ende Juni – während die Kolleg:innen bereits seit zwei Wochen digitale Impfnachweise erstellen konnten – immer noch nichts geschehen war, ging er zu einem Anwalt. Eine andere Möglichkeit sah Schweigle nicht mehr.

Er drohte dem DAV mit einer Schadensersatzklage in Höhe von 40.000 Euro. „Dann war der Code nach ein paar Tagen plötzlich da“, sagt er. Man habe ihm mitgeteilt, dass er den Zugang zu spät beantragt habe. „Aber wir haben uns eine Woche vor dem Start darum gekümmert, das kann nicht sein“, so Schweigle. Dass er juristische Schritte einleiten musste, sei sein letzter Ausweg gewesen. „Wenn wir nur eine Woche in Verzug gewesen wären, hätte ich gesagt, das ist ok, kann man nicht ändern.“ Aber drei Wochen ausgeschlossen zu sein sei „unsportlich“.

Auch andere Apotheker ärgerten sich bei der Beantragung des Zugangs zum DAV-Portal. Bei Dr. Uwe Riemer aus Hamburg etwa kam es wegen der verspäteten Freischaltung zu einem Umsatzverlust für einen Zeitraum von drei Wochen. „Wir haben mehrmals mit dem Verein gesprochen und uns bemüht“, sagt der Inhaber der Apogrün Apotheke in Schnelsen. „Es kam jedoch nie ein Feedback.“ Nachdem er eine „böse E-Mail“ geschrieben habe, hieß es, dass die Apotheke keinen Code bräuchte, weil er längst angemeldet gewesen sei.

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