DAV schickt keinen Zugangscode

Trotz Mitgliedschaft: Apotheker kann keine Impfnachweise ausstellen

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Berlin -

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) hat sich viel Kritik eingefangen mit der Entscheidung, Nicht-Mitglieder von der Erstellung digitaler Impfzertifikate auszuschließen. Mittlerweile hat der DAV nachgegeben und stellt Gastzugänge bereit. Dr. Zakaria Cheikh Ali nützt selbst das nichts: Er ist LAV-Mitglied, kann das Portal aber trotzdem nicht nutzen – denn der DAV kriegt es partout nicht hin, ihm seinen Zugangscode zukommen zu lassen. Seit über einer Woche kämpft er darum, mittlerweile hat er resigniert.

Digitale Impfzertifikate auszustellen, zählt nicht zu den Lieblingsaktivitäten in deutschen Apotheken. Immerhin ist die Vergütung (noch) angemessen. Um die geht es Cheikh Ali aber gar nicht: Denn er hat die Pankratius-Apotheke in Warstein erst zum 1. April übernommen. „Ich will nicht das Geld für die Zertifikate, sondern mich positionieren und dass die Leute sehen, dass ich zwar neu bin, aber alle Dienstleistungen erbringen kann“, erzählt er. „Stattdessen muss ich jetzt ständig Kunden vertrösten.“

Just jene Übernahme ist auch der Grund für das Problem: Der DAV habe die Zugangscodes Um die Jahreswende verschickt, erzählt er. Für seine Apotheke hatte also Vorgänger Rudolf Schünemann den Zugangscode erhalten. „Das bringt mir aber nichts, weil der ja personalisiert ist“, sagt Cheikh Ali. „Bei Übernahme hatte ich so viel um die Ohren, dass ich an diesen einen Code für das DAV-Portal natürlich nicht auch noch gedacht habe. Das fiel mir erst vergangene Woche auf, als ich mich für die Aktion registrieren wollte.“ Eigentlich hätte das auch kein Problem sein müssen – sollte man denken. Wie schwer kann es schon sein, einen Zugangscode zu verschicken? Doch für den 42-Jährigen begann ein ermüdender Kampf, den er bis jetzt führt.

Denn vom DAV kommt bisher absolut nichts. „Am Anfang habe ich mich an die Vorgabe gehalten, nur per E-Mail anzufragen. Ich habe allerdings überhaupt keine Reaktion erhalten“, erzählt er. Dutzende E-Mails habe er allein in der vergangenen Woche geschrieben, denn die Uhr tickte. Und dank Lesebestätigung wisse er auch, dass jede einzelne beim DAV gesehen wurde. Nachdem er trotz der vielen E-Mails keine einzige Antwort erhielt, begann er am Montag, sich telefonisch an den DAV zu wenden – keine Chance, durchzukommen. Deshalb wandte er sich an seinen Landesverband, wurde aber auch dort nur vertröstet. „Die haben immer nur gesagt, ich solle mich gedulden“, erzählt er. „Als ich mehr Druck gemacht habe, wurde mir gesagt, der LAV würde Kontakt zu Berlin aufnehmen und sich für mich einsetzen. Aber auch daraufhin kam nie etwas zurück.“

Also versuchte es Cheikh Ali weiter, bis zur Verzweiflung. „Ich habe die ganze Woche nur im Backoffice gesessen und telefoniert und E-Mails geschrieben.“ Hunderte Anrufe und mehr als 100 E-Mails seien es bisher. Denn gerade zu Beginn sei es wichtig gewesen, zu zeigen, dass man den Service anbietet – alle Mitbewerber um ihn herum würden das tun.

Doch bis heute habe er keine einzige Rückmeldung erhalten – und wisse jetzt gar nicht mehr, was er noch tun könne. „Ich bin absolut verzweifelt“, sagt er. „Ich bin promovierter Pharmazeut, habe in Frankreich studiert, spreche vier Sprachen fließend und jetzt sitze ich hier wie ein Idiot, um auf einen Code zu warten!“ Mittlerweile leide auch sein sonstiger Betrieb unter der Belastung, schließlich habe er sich die ganze Woche darum gekümmert, den Code zu ergattern, ständig würden Kunden in seiner Apotheke stehen und nach den Zertifikaten fragen. „Ich bin neu und brauche Unterstützung vom Verband – das ist seine Aufgabe!“, sagt er. „Bei Nicht-Mitgliedern, die keinen Zugang erhalten, kann man ja vielleicht noch diskutieren, aber ich zahle Mitgliedsbeiträge und kann trotzdem nicht teilnehmen. Ich weiß nicht, wer hier wen unterstützt – der Verband mich oder ich den Verband.“

Vor allem, dass der DAV seit über einer Woche komplett abgetaucht ist und ihn am ausgestreckten Arm verhungern lasse, mache ihn wahnsinnig. „Meiner Auffassung nach ist der DAV nicht monopolistisch, sondern diktatorisch! Die machen, was sie wollen, und wenn jemand ein Problem damit hat, ist denen das egal!“ Er habe sich bereits an seinen LAV gewandt und gefragt, wie er austreten könne. „Ich habe klipp und klar zum Verband gesagt: Ich brauche keine Sozialhilfe, sondern Sachhilfe!“ Selbst da sei er vertröstet worden – der Verband wolle ihn als Mitglied nicht verlieren, er solle es sich nochmal überlegen. Die Treuhand habe er gefragt, was er nun tun könne. Er habe mit dem Gedanken gespielt, den DAV zu verklagen, doch davon sei ihm ebenfalls abgeraten worden. „Ich bin machtlos und habe es mittlerweile aufgegeben“, sagt Cheikh Ali. „Der Verband soll meine Apotheke wirtschaftlich unterstützen, aber macht mich wirtschaftlich kaputt.“

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