Nachweis von Sars-CoV-2

Gurgellösung: Pharmazeutin entwickelt Corona-Test

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Berlin -

Pharmazeuten der Universität Halle-Wittenberg haben mit Hilfe der Massenspektrometrie kleinste Mengen des Coronavirus Sars-CoV-2 in einer Gurgellösung nachgewiesen. Daraus könnte einmal ein relativ einfacher Test entstehen. 

Für ihre Untersuchung verwendeten sie Lösungen, mit denen Patienten gegurgelt hatten, die an Covid-19 erkrankt waren. Für die Versuche hatte die Universitätsmedizin Halle entsprechende Proben von drei Covid-Patienten zur Verfügung gestellt. Die neue Methode könne künftig als Ergänzung für bisher übliche Tests dienen, hieß es. Sie werde nun weiter verbessert, um als Standard-Diagnostik-Werkzeug zur Verfügung zu stehen. Erste Ergebnisse wurden im Fachmagazin „Journal of Proteome Research“ veröffentlicht.

Professor Dr. Andrea Sinz vom Institut für Pharmazie, Abteilung Pharmazeutische Chemie und Bioanalytik und ihre Mitarbeiter entwickelten eine Methode, um nach Bestandteilen von Sars-CoV-2 zu suchen. „Wir messen direkt die Peptide, die von dem Virus stammen, und nicht das genetische Material“, erklärt Sinz. Auch wenn nur wenig Gurgellösung zur Verfügung gestanden habe, hätten die Wissenschaftler Bestandteile der Virusproteine gefunden, hieß es. „Das war ziemlich überraschend, ich habe selbst nicht damit gerechnet, dass das wirklich funktioniert.“ Der Massenspektrometrie-basierte Test sei hochspezifisch für das Virus, da die entsprechenden Proteine nur bei Sars-CoV-2 vorkommen.

Aktuell könne der Test in circa 15 Minuten durchgeführt werden, so Sinz. Ihre Arbeitsgruppe versuche nun, die Analysezeiten weiter zu verkürzen. Sinz ist auf der Suche nach weiteren Kooperationen, auch mit der Industrie. „Mit einer Firma aus Hessen wollen wir noch eine andere massenspektrometrische Methode einsetzen, bei der die Messungen innerhalb von Sekunden durchführbar wären“, sagt die Pharmazeutin. Dafür nutze sie zurzeit künstlich hergestellte Virusbestandteile. Diese Methode wäre dann vergleichbar mit dem sogenannten Biotyping, das schon in Kliniken zur Diagnostik von Bakterien- oder Pilz-Infektionen etabliert ist. Ob sich dieser Ansatz für den Nachweis von Sars-CoV-2 eignet, müsse allerdings noch gezeigt werden. Eine Probenaufbereitung sei dann nicht aufwendig und die Messungen wären auch von nicht spezialisiertem Personal durchführbar.

Unmittelbar zur Verfügung stehen wird die neue Diagnosemethode mit Massenspektrometern noch nicht. Sinz hofft, dass sie in einigen Monaten für den Einsatz bereit ist: „Ich habe engen Austausch mit Kollegen aus aller Welt, bei denen die Pandemie teils wesentlich schlimmer verläuft als hier.“ Sie ist auch Gründungsmitglied der „Covid-19 Mass Spectrometry Coalition“, einem Forschungsverbund, der mithilfe von Massenspektrometrie die Krankheit besser verstehen möchte.

Um sicher herauszufinden, ob jemand akut an Covid-19 erkrankt ist, gibt es derzeit vor allem eine zuverlässige Testmethode: die Polymerase-Kettenreaktion, kurz PCR. Sie weist das Virus-Erbgut nach und ist daher sehr spezifisch.

Andere Tests hingegen erkennen meist Antikörper gegen die Krankheit – diese bildet der Körper aber erst im Laufe der Infektion, sodass sie nur zum Nachweis einer überstandenen oder fortgeschrittenen Krankheit dienen. Die Antikörper-Tests sind zudem oft unspezifisch und können teils nicht zwischen den verschiedenen Coronaviren unterscheiden, die beim Menschen auftreten können. Testlabore weltweit stoßen daher an die Grenze ihrer Kapazitäten.

 

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