Hemmung von Virus-Enzymen

Glycyrrhizin: Mit Lakritz gegen Corona?

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Berlin -

Immer wieder geraten verschiedene Substanzen als Wundermittel gegen Corona in die Medien. Nun schlägt eine Entdeckung der Klinik für Infektiologie am Universitätsklinikum Essen große Wellen: Glycyrrhizin, eine im Lakritz enthaltene Substanz, soll gegen Sars-CoV-2 wirken.

Entweder man liebt es, oder man hasst es – Lakritz könnte in Zukunft auf der Beliebtheitsskala steigen. Denn Forscher der Uni Essen haben der Süßigkeit nun antivirale Eigenschaften zugesprochen. Genau genommen der Substanz Glycyrrhizin, welche ein natürlicher Inhaltsstoff der Süßholzwurzel ist. Bekannt ist die Heilpflanze vor allem in Form ihres eingedickten Saftes als Süßigkeit.

Im Labor nahmen die Forscher die Substanz genauer unter die Lupe. Dabei entdeckten sie, dass Glycyrrhizin über stark antivirale Eigenschaften verfügt. Es könnte damit auch im Kampf gegen Sars-CoV-2 ein potenzieller Kandidat sein. Die Wissenschaftler untersuchten verschiedene Verbindungen aus der Süßholzwurzel, dabei wurde die Verbindung Glycyrrhizin eindeutig als antiviraler Wirkstoff identifiziert. Die vorläufigen Studienergebnisse wurden auf dem medizinischen Vorveröffentlichungsserver „biorxiv“ bereitgestellt.

Wie wirkt Glycyrrhizin?

Die Substanz aus der Süßholzwurzel soll ein spezielles Virusenzym hemmen, die „virale main protease“. In Zellkulturen konnte die Verbindung auch gegen Sars-CoV-2 wirken. Dabei seien nicht einmal besonders große Mengen für den Effekt notwendig: Bereits die in Süßholzwurzeltee enthaltene Menge reiche aus, um die Viren zu neutralisieren, erläutern die Forscher. Die Ergebnisse gelten bislang jedoch nur in vitro – Untersuchungen am Menschen fehlen noch. Ein klarer Schutz könne deshalb nicht pauschal geboten werden.

Grenzwerte: Starklakritz und Erwachsenenlakritz

Möglicherweise könne der Konsum von Lakritz oder von Süßholzwurzelextrakt als Tee einen Covid-Krankheitsverlauf günstig beeinflussen. Doch bei Süßholzwurzel ist Vorsicht geboten: Die empfohlene Tagesdosis von 100 mg sollte nicht überschritten werden – das sind etwa 50 g Lakritz. Lakritzprodukte, die mehr als 200 mg Glycyrrhizin pro 100 g Lakritz enthalten, müssen in Deutschland als „Starklakritz“ gekennzeichnet sein.

In Lakritzprodukten ist außerdem häufig Ammoniumchlorid enthalten, das sogenannte Salmiak. Ohne entsprechenden Warnhinweis dürfen maximal zwei Prozent der Verbindung enthalten sein. Sind höhere Konzentrationen enthalten, ist in Deutschland ein Warnhinweis erforderlich:

  • Gehalt von über 2 bis 4,49 Prozent: „Erwachsenenlakritz – kein Kinderlakritz“
  • Gehalt von über 4,49 bis 7,99 Prozent: „Extra stark, Erwachsenenlakritz – kein Kinderlakritz“

Denn durch übermäßigen Konsum kann unter anderem der Elektrolythaushalt aus dem Gleichgewicht geraten. Außerdem verfügt Glycyrrhizin über mineralcorticoide Wirkungen. Ein vermehrter Kalium-Verlust kann die Folge sein, die Aufnahme von Natrium und Wasser wird gefördert. Auf lange Sicht kann Süßholzwurzel somit zu Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen führen.

 

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