April-Delle: 15 Prozent weniger Rezepte | APOTHEKE ADHOC
Arzneimittelausgaben

April-Delle: 15 Prozent weniger Rezepte

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Berlin -

Nach dem kurzen Corona-Boom in den Apotheken im März ist die Zahl der Rezepte im April wieder deutlich zurückgegangen. Die Ausgaben der Krankenkassen für Arzneimittel sanken nach DAV-Frühinformationen im April 2020 um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Zahl der eingelösten Rezepte verringerte sich um 15,2 Prozent. „Diese Entwicklung ist in engem Zusammenhang mit den hohen Zuwachsraten des Vormonats zu betrachten. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden Arztbesuche und damit einhergehende Arzneimittelverordnungen mutmaßlich in den März 2020 vorgezogen“, heißt es beim DAV.

Betrachtet man das erste Jahresdrittel insgesamt, ergibt sich laut DAV ein Anstieg der Arzneimittelausgaben von 8,3 Prozent sowie ein Rückgang bei den eingelösten Rezepten in Höhe von 0,8 Prozent. Die Impfstoffausgaben der GKV verringerten sich im April 2020 um 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Für den Zeitraum Januar bis April 2020 ergibt sich ein durchschnittlicher Zuwachs von 18,0 Prozent. In den Zahlen sind die Einsparungen der Krankenkassen durch Rabattverträge nicht enthalten. Für das Jahr 2019 beliefen sich die Einsparungen aus Rabattverträgen gemäß den vorläufigen Rechnungsergebnissen auf 4,9 Milliarden Euro. Das sind rund 11 Prozent mehr als im Jahr 2018.

Nach DAV-Angaben stiegen im März die Arzneimittelausgaben der Kassen um 25 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Vor einem Jahr betrugen die Ausgaben um März nur rund drei Milliarden Euro. Im. April normalisierten sich die Arzneimittelausgaben wieder: Die Kassen gaben 3,15 Milliarden Euro aus, nach 3,2 Milliarden Euro im Vorjahr. Mit 32 Prozent am stärksten fiel der Anstieg der Arzneimittelausgaben im März im Saarland aus gefolgt von Baden-Württemberg mit knapp 30 Prozent. Den geringsten Anstieg vermelden für den März mit rund 18 Prozent Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg mit 19 Prozent.

Die Ausgaben der Kassen für Impfstoffen legten in den ersten vier Monaten ebenfalls deutlich um 18 Prozent auf 480 Millionen Euro zu. Dabei war der Ausgabenanstieg im März mit 43 Prozent besonders hoch. Im April sanken die Ausgaben für Impfstoffe wieder im gut 8 Prozent.

„Im März hat sich die Corona-Pandemie mit voller Wucht auf die Arzneimittelversorgung in Deutschland ausgewirkt“, so der DAV-Vorsitzende Fritz Becker bereits Ende April. „Die Apotheken hatten innerhalb kürzester Zeit einen wahren Ansturm von Patienten mit Rezepten zu bewältigen und mussten Infektionsschutzmaßnahmen und Arbeitskapazitäten gleichzeitig hochfahren. Trotz aller Widrigkeiten und Lieferengpässe hat das insgesamt sehr gut geklappt.“

Im Januar und Februar waren die Arzneimittelausgaben noch wie erwartet um jeweils rund 5 Prozent gestiegen. Für die ersten vier Monate ergibt sich damit ein Wachstum von gut 8 Prozent auf 13,5 Milliarden Euro. Vergangenes Jahr im März konnte die GKV sich noch über einen gegenteiligen Effekt freuen: Damals hatten sich die Ausgaben nach einer Steigerung von 6,8 und 6,5 Prozent im Januar und Februar wieder normalisiert; im März 2019 betrug die Steigerung zum Vorjahresmonat deshalb nur 1,4 Prozent. Die Zahl der eingelösten Verordnungen war im Vergleich zum Vormonat sogar um 6 Prozent gesunken. Insgesamt hatten die Kassen in den ersten vier Monaten 2019 knapp 12,5 Milliarden Euro für Arzneimittel ausgegeben.

Im März 2020 ging die Zahl der eingelösten Verordnungen nach DAV-Angaben sprunghaft nach oben: Sie stieg um 13,7 Prozent auf 44 Millionen. Die Zahl der abgegebenen Packungen wiederum stieg um 18,8 Prozent auf 71 Millionen. Aus mehreren Datenquellen, die dem DAV vorliegen, gehe hervor, dass im März nicht nur mehr Medikamente, sondern auch größere Packungen – zum Beispiel N3 statt N1 oder N2 – verordnet und abgegeben wurden. Das erklärt, warum die Ausgaben stärker als die Rezept- und Packungszahlen gestiegen sind.

 

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