Arzneimittelausgaben steigen überproportional

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Berlin - Weil die Versicherten seit März wegen der Corona-Pandemie weniger häufig zum Arzt gegangen sind und planbare Operationen und Klinikbehandlungen verschoben wurden, haben die Krankenkassen im ersten Halbjahr ein Plus von 1,3 Milliarden Euro verbucht. In den ersten drei Monaten standen dagegen noch wie im vergangenen Jahr rote Zahlen. Allerdings: Anders als die Kosten für Ärzte und Kliniken sind die Arzneimittelausgaben im ersten Halbjahr kräftig um 1,5 Milliarden Euro gestiegen.

Wie das Bundesgesundheitsministerium (BMG) in der GKV-Halbjahresbilanz mitteilte, mussten die Kassen für Arznei- und Verbandmittel in den ersten sechs Monaten 7,9 Prozent mehr ausgeben als im Vorjahr. In absoluten Zahlen stiegen die Arzneimittelausgaben um 1,5 Milliarden Euro auf knapp 23 Milliarden Euro. Damit liegt der Anstieg klar über dem zwischen Ärzten und Krankenkassen vereinbarten Korridor von rund 4 Prozent. Der Ausgabenzuwachs für Arzneimittel, der im 1. Quartal aufgrund von Mengenentwicklungen und Vorzieheffekte durch Verordnung von Großpackungen noch bei 11,5 Prozent lag, hat sich laut BMG im 1. Halbjahr insgesamt auf 7,4 Prozent zwar abgeflacht, ist aber im Vergleich zu den übrigen Leistungsbereichen immer noch deutlich überproportional.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) begründete die für die Kassen günstige Gesamtentwicklung damit, dass Patienten in der ersten Jahreshälfte weniger zum Arzt und ins Krankenhaus gegangen seien. Deshalb seien die Ausgaben der 105 Krankenkassen vor allem in den Monaten April bis Juni gesunken. Insbesondere die Ausgaben für Zahnärzte und Zahnersatz sanken um 3,5 Prozent und knapp 9 Prozent. Für Krankenhausbehandlungen mussten die Kassen 2,4 Prozent weniger bezahlen als im Vorjahr.

„Aber das ist nur eine Momentaufnahme. Wie sich das weitere Jahr entwickelt, welche Auswirkungen die Pandemie auf die Krankenkassen und den Gesundheitsfonds haben wird, werden wir erst im Herbst einschätzen können“, sagte Spahn weiter. Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, sprach von einem „extremen Rückgang der Krankenhausausgaben“ im Frühjahr. Dies sei ein Sondereffekt, der sich so wohl kaum wiederholen werde. Wegen Corona seien viele Operationen abgesagt worden. Mit circa 80 Milliarden Euro sind die Krankenhausausgaben der größte Kostenblock im GKV-System.

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