Handesspannenausgleich

Wegen Corona: Apotheken zahlen im Einkauf drauf

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Berlin -

Im März hat die Corona-Krise vielen Apotheken einen Boom beschert. Unerwünschte Nebenwirkung: Der sogenannte Handelsspannenausgleich dürfte teuer werden. Manche Apotheken müssen ihrem Großhändler dafür nach Berechnungen der Unternehmensberatung FSA bis zu 2000 Euro bezahlen. „Das wird ein teures Erwachen“, sagt Geschäftsführer Dirk Falk. Kleinere Apotheken rutschen womöglich erstmals über die Grenze.

Der März-Boom bei Rx-Arzneimitteln hat laut Falk dafür gesorgt, dass jetzt in den Apotheken die Patienten mit den relativ günstigen Rx-Arzneimitteln fehlen. Dadurch steigt der Durchschnittspreis der beim Großhandel bestellten und in den Apotheken abgegebenen Packungen: „Lag der Durchschnittspreis pro Rx-Packung vor Corona teilweise unter 21 Euro, ist er jetzt bei vielen Apotheken auf 23 bis 25 Euro gestiegen“, so Falk, der die Daten von 640 Apotheken ausgewertet hat: „Dadurch wird ein Handelsspannenausgleich fällig.“ Bei anderen Apotheken, deren Durchschnittspreis pro Rx-Packung ohnedies bereits über 21 Euro lag, sei dieser Wert auf 32 Euro bis 35 Euro gestiegen. „In Extremfällen beträgt der Durchschnittswert sogar über 50 Euro“, so Falk.

Das macht sich in der Apothekenkasse und auf der Großhandelsrechnung negativ bemerkbar. Laut Falk müssen kleinere Apotheken mit 300 Euro bis 500 Euro Zusatzkosten für den Handelsspannenausgleich rechnen, die größeren Apotheken mit 1500 bis 2000 Euro.

Laut Falk zahlen etwa 70 Prozent aller Apotheken einen Handelsspannenausgleich. Wie viele von den restlichen 30 Prozent jetzt durch Corona erstmals betroffen sind, lässt sich nicht abschätzen. Aber klar ist für Falk, dass die Rx-Konditionen des Großhandels für die Apotheken ohnedies in den Keller rutschen: „87 Prozent erhalten weniger als 4 Prozent Skonto und Rabatt zusammen und 40 Prozent nur noch weniger als 2 Prozent.“

Beim Handelsspannenausgleich legt der Großhandel eine Marge fest, die er pro Packung verdienen möchte, beispielsweise 6,33 Prozent. Weil seit der Honorarumstellung günstigere Packungen eine höhere Marge für den Großhändler bringen, wird ein möglichst niedriger Durchschnittspreis angestrebt – und vorgegeben. Liegt die Apotheke beim Einkauf im Mittel darüber, werden die gewährten Rabatte entsprechend gekürzt, damit der Großhändler auf seine Marge kommt. Die Marge von 6,33 Prozent erreichen Großhändler bei einem Packungswert von 20,71 Euro.

Weil aber die Arzneimittelpreise kontinuierlich steigen, haben die Großhändler ein Problem – und als Folge des Handelsspannenausgleichs ihre Kunden. Insgesamt liegt der durchschnittliche Rx-Einkaufpreis von Apotheken heute nämlich bei 24,50 Euro. Die Großhändler erreichen bei diesem Wert nur noch eine Marge von 5,82 Prozent. Eine Seite muss also kürzer treten.

Veranschlagt der Großhändler mit dem Handelsspannenausgleich eine Marge von 6,33 Prozent, verliert die Apotheke bares Geld. Schon bei einem monatlichen Rx-Einkauf von 20.000 Euro summiert sich über das Jahr ein Verlust von 1224 Euro. Bei einem Monatsumsatz von 50.000 Euro – gerechnet jeweils ohne Hochpreiser, die ausgeklammert werden – ist es sogar ein Verlust von mehr als 3000 Euro.

Selbst bei einem Durchschnittspreis von 24,03 Euro bleibt dem Großhändler nur noch eine Marge von glatt 6 Prozent. Zieht er den Handelsspannenausgleich, verliert die Apotheke bei einem Monatseinkauf im Wert von beispielsweise 50.000 Euro fast 2000 Euro vom eigenen Gewinn.

Die Apotheke hat naturgemäß überhaupt keinen Einfluss auf die Ärztestruktur oder das Verordnungsverhalten in ihrem Umfeld. Verschreibt ein Spezialist in der Nähe viele relativ teure Arzneimittel, kann auch mal ein durchschnittlicher Packungspreis von durchschnittlich 50 Euro in der Apotheke zustande kommen. Die Marge des Großhändlers liegt in dieser Rechnung bei 4,41 Prozent. Ausgehend von einem Handelsspannenausgleich bei 6,33 Prozent würde eine Apotheke mit 50.000 Euro Monatsbestellung auf das Jahr gerechnet rund 11.500 Euro verlieren.

Zwar gibt es auch in diesem Bereich individuelle Vereinbarungen, damit die Apotheker nicht für die Ärztestruktur bestraft werden. Aber der Spielraum der Großhändler ist bei Hochpreisern begrenzt, da ihre eigene Marge bei 37,80 Euro gedeckelt ist. Arzneimittel oberhalb eines Einkaufspreises von 1200 Euro sind daher bei keinem Großhändler gerne gesehen. Um die eigene Marge möglichst hoch zu halten, raten Außendienstler den Apotheken deshalb regelmäßig, Hochpreiser möglichst bei einem Zweitlieferanten zu bestellen.

Da der „Ertragshebel im Einkauf liegt“, rät Falk, die Sammelrechnungen der Großhändler professionell auf Ausschlüsse, Kosten und Gebühren überprüfen zu lassen um die real erhaltenen Kondition im RX ermittelt zu bekommen. Er ist überzeugt: Wer seine eigenen real erhaltenen Konditionen im Rx wirklich kennt, kann im Bedarfsfall bestehende Konditionen erfolgreich nach verhandeln.

 

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