Großhandelskonditionen

Rabattkürzung: AEP wehrt sich gegen Hochpreiser-Kunden Alexander Müller, 07.04.2020 07:42 Uhr

Berlin - Der Großhändler AEP sticht im Markt seit jeher mit seiner Einheitskondition heraus. Doch das Modell hat eine Achillesferse: Um dem Handelsspannenausgleich bei anderen Großhändlern zu umgehen, bestellen immer wieder Apotheken ihre Hochpreiser gezielt über AEP. Weil das die Marge des Großhändlers aus Alzenau verdirbt, wird die Gegenmaßnahme jetzt konsequent durchgesetzt.

Hochpreisige Arzneimittel sind für die Großhändler unattraktiv, weil ihr eigenes Honorar gedeckelt ist. Beim Handelsspannenausgleich legt der Großhandel deshalb eine Marge fest, die er pro Packung verdienen möchte – eine Art Gewinngarantie. Diese Marge erreicht der Großhändler bei einem bestimmten Packungswert. Liegt die Apotheke beim Einkauf im Mittel über diesem Durchschnittspreis, werden die gewährten Rabatte entsprechend gekürzt.

Um diesem Schicksal zu entgehen, nutzen Apotheken AEP zuweilen als Zweitlieferanten. Denn der Großhändler mit dem Zentrallager bietet allen Apotheken eine einheitliche Kondition: 3 Prozent Rabatt (2 Prozent für Rx-Produkte über 70 Euro) und 2,5 Prozent Skonto. Doch natürlich lebt auch AEP von einer Mischkalkulation. Deswegen wurden schon in der Vergangenheit immer wieder Apotheken angeschrieben, die das Modell gezielt ausnutzen wollten.

Das wird jetzt laut AEP-Geschäftsführer Jens Graefe systematischer umgesetzt: Wer einen zu hohen Durchschnittswert bei den Packungspreisen hat, bekommt automatisch die nächste Rechnung gekürzt. „Sollte Ende dieses Monats der Durchschnittspreis Rx (ohne Hochpreiser) über 30 Euro liegen, berechnen wir Ihnen zukünftig, im Interesse aller Kunden, für den laufenden Monat einen ‚Servicebeitrag‘ von 0,75 Prozent auf den Rx-Umsatz (ohne Hochpreiser)“, heißt es in einem Schreiben an Apotheken. Liegt der Durchschnittspreis über 40 Euro, steigt der „Servicebeitrag“ auf 1,5 Prozent.

Ein betroffener Apotheker protestiert: „Das bedeutet nichts anderes als: AEP führt nun ebenfalls einen Handelsspannenausgleich ein. Hiermit entfällt für mich ein wichtiges Argument, das bislang für AEP gesprochen hat. Zudem tritt diese Malus-Regelung ohne Übergangsfrist mit sofortiger Wirkung in Kraft.“ Angesichts der Begrenzung auf eine Belieferung am Tag würde er bei einer gekürzten Kondition insgesamt kein Vorteil mehr gegenüber anderen Großhändlern sehen.

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