Schmerzpatienten

Cannabis: Apotheken droht Preisdebatte Lothar Klein, 21.06.2017 15:28 Uhr

Berlin - Seit 10. März können Ärzte Cannabis auf Rezept verordnen. Für Schmerzpatienten ist damit eine langjährige Forderung von der Großen Koalition umgesetzt worden. Große Hoffnungen waren damit verbunden. Aber in der Praxis zeigen sich Probleme. Es dauert lange, bis das Cannabis bei den Patienten ankommt. Die Kassen prüfen penibel, die Ärzte verordnen zurückhaltend und die Preise sind explosionsartig gestiegen. Den Apotheken droht die nächste Debatte.

Noch lassen sich nur ansatzweise Erfahrungen über die Umsetzung des Gesetzes sammeln. Nach Angaben der Techniker Krankenkassen (TK) sind seit Anfang März 450 Anträge auf Kostenübernahme eingegangen. In allen Fällen hat die TK den Medizinischen Dienst (MDK) eingeschaltet und um ein medizinisches Gutachten gebeten. So will es das Gesetz. In 263 Fällen befürwortete der MDK die Cannabis-Therapie, in 187 Fällen sagte er Nein.

Nicht viel anders ist das Bild bei der Barmer: Dort gingen 150 Anträge ein, in 70 Fällen übernahm die Kasse die Kosten. Etwa jeder zweite Antrag wird offenbar abgelehnt. Der MDK beurteilt die Cannabis-Therapie in der Regel nach Aktenlage. Nur in Ausnahmen besucht er die Patienten vor Ort, um sich ein Bild zum machen. Auch die ABDA hatte Zahlen zum angeblichen Cannabis-Boom vorgelegt: Demnach verordneten Ärzte alleine im März auf 488 Rezeptformularen insgesamt 564 cannabishaltige Zubereitungen oder Cannabisblüten in Rezepturen.

Für den Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin, den Arzt Dr. Franjo Grotenhermen, hat das Gesetz dagegen für viele Patienten bislang nicht zu einer Verbesserung geführt. Sie müssten zunächst einmal einen Kassenarzt finden, der ihnen überhaupt etwas verschreibe. Dann müsse die erste Verordnung für jeden Patienten von den Kassen genehmigt werden, was oft genug verweigert werde.

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