Patient bekommt Onglyza nicht | APOTHEKE ADHOC
Kontingentierung

Patient bekommt Onglyza nicht

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Berlin -

Apothekenkunden ärgern sich regelmäßig über kontingentierte Arzneimittel. Oft kommen sie wegen der Engpässe nicht oder nur unter großen Mühen an ihre Medikamente. Diese Erfahrung musste jetzt ein Diabetiker auf der Suche nach Onglyza machen.

Der Mann aus Kandern in Baden-Württemberg hatte von seinem Arzt zwei 90er-Packungen des DPP-4-Hemmers von AstraZeneca verordnet bekommen. Insgesamt vier Apotheken suchte er in seiner Heimatstadt und im 15 Kilometer entfernten Weil am Rhein auf. Keine konnte die Verordnung beliefern. Lediglich eine Packung hätten die Apotheken ihm jeweils anbieten können. „Ich weiß, es liegt nicht an den Apotheken, sondern an den Lieferanten“, ärgert er sich. AstraZeneca liefere aus Profitgier vorzugsweise ins Ausland.

Der Mann ist als Technischer Direktor bei einer deutschen Firma angestellt und arbeitet in Dubai. Zweimal im Jahr kommt er zurück nach Deutschland, dann erledigt er seine Arztbesuche und deckt sich mit einem Vorrat des Antidiabetikums ein. „Früher habe ich die zwei Großpackungen problemlos bekommen“, erinnert er sich. Den Engpass gebe es schon länger, bis jetzt hätten es die Apotheken aber immer hinbekommen, ihm die Medikamente zu besorgen.

In wenigen Tagen steht die Rückreise nach Dubai an, ob er die Tabletten noch rechtzeitig bekommt, ist unklar. Die Verschreibung habe er schon vor zwei Wochen bekommen. „Hätte ich das gewusst, hätte ich nicht so lange mit dem Einlösen des Rezeptes gewartet.“ Von der Politik wünscht er sich, dass die Hersteller gezwungen werden, ihre Medikamente zuerst in Deutschland auszuliefern. „Die Patientenversorgung muss sichergestellt werden“, fordert er.

Onglyza (Saxagliptin) steht seit Jahren auf den Kontingentlisten der Großhändler. AstraZeneca betonte stets, den Großhandel ausreichend und sogar über den Patientenbedarf hinaus zu beliefern. Die Diabetesprodukte seien durch das AMNOG-Verfahren, die Nutzenbewertung und Preisverhandlungen im europäischen Vergleich auf dem niedrigsten Preisniveau. Die Schuld sieht man in Wedel beim Großhandel, der wegen des erheblichen Preisgefälles Onglyza mit größerem Profit ins Ausland verkauft.

Als Notlösung bietet der Konzern genauso wie andere Hersteller kontingentierte Produkte zur Direktbestellung bei Pharma Mall an. Sehr zum Unmut der Apotheker, denn während der Aufwand bei Bestellung und Wareneingang steigt, fallen unter Umständen auch die Einkaufsrabatte weg. Die Belieferung dauert zwei bis drei Tage. Viele Pharmazeuten sind überzeugt, dass sich die Industrie ihre Margen auf Kosten der Apotheker und des alteingesessenen Großhandels sichere.

Bei den Apothekern hingegen klopfen sogenannte Zwischenhändler an, die kontingentierte Ware mit zum Teil erheblichen Aufschlägen aufkaufen, um sie dann im Ausland teurer zu verkaufen. Um in das lukrative Geschäft einzusteigen, brauchen Apotheken lediglich eine Großhandelserlaubnis.

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