Höhere Arbeitspreise, aber niedrigere Mengenpreise: Mit dem Schiedsverfahren wurden die Konditionen für parenterale Zubereitungen überarbeitet. Dr. Christian Knobloch, Leiter Data & Analytics bei der RST Steuerberatung, hat durchgerechnet, was der Schiedsspruch für die Apotheken bedeutet – und kommt auf sechsstellige Einbußen.
Die Schiedsstelle hat am 9. September die Abrechnungspreise für Parenteralia neu festgesetzt. Bei Trastuzumab sinkt der Preis je Milligramm um zwei Drittel, bei Bevacizumab um 57 und bei Rituximab um 45 Prozent. Gleichzeitig steigt der Arbeitspreis von 100 auf 104,17 Euro, ab Januar mit der Grundlohnrate auf rund 107,73 Euro.
Knobloch hat die Folgen anhand der Herstellungsdaten einer fiktiven Zyto-Apotheke mit 3000 Zubereitungen im Jahr berechnet, deren Wirkstoffmix einer realen Apotheke nachgebildet ist. Allein bei den drei Biosimilar-Wirkstoffen fehlen ihr demnach rund 220.000 Euro Erstattung pro Jahr, im Schnitt rund 435 Euro je betroffener Zubereitung. Der höhere Arbeitspreis bringt etwa 23.000 Euro. Es bleibt ein Rückgang des Rohertrags um rund 200.000 Euro. „Am Einkaufspreis ändert der Schiedsspruch ja nichts. Was bei der Erstattung wegfällt, geht direkt vom Gewinn ab“, sagt Knobloch. Bei Trastuzumab lägen die Einkaufspreise mancher Apotheken schon heute über dem neuen Abrechnungspreis.
Ab Januar entfällt der feste Preis ganz. Abgerechnet wird dann der zweitgünstigste Listenpreis nach einem Abschlag von bis zu 77 Prozent. „Sobald ein Hersteller seinen Listenpreis senkt, geht auch die Erstattung runter“, so Knobloch.
Unsicher ist auch der Arbeitspreis: Gibt das Bundessozialgericht (BSG) der Klage der Kassen gegen den Schiedsspruch von 2022 statt, entfällt die Erhöhung rückwirkend.
Besonders hart trifft es nach Knoblochs Einschätzung Inhaberinnen und Inhaber, die in den vergangenen Jahren eine Zyto-Apotheke übernommen haben. „Wer vor zwei, drei Jahren gekauft hat, hat den Kaufpreis auf Basis der damaligen Erträge finanziert. Fehlen jetzt dauerhaft 200.000 Euro im Jahr, sind das bei einem Faktor von sechs rechnerisch 1,2 Millionen Euro weniger Unternehmenswert. Die Bank will ihre Raten trotzdem.“ Betroffen seien zudem Apotheken ohne eigenes Labor, die Zubereitungen herstellen lassen und selbst abrechnen, sofern ihr Einkaufspreis nicht automatisch mitsinkt.
RST rechnet die Auswirkungen derzeit für ihre Zyto-Mandanten einzeln durch. „Wie hart es eine Apotheke trifft, hängt vor allem davon ab, wie viele Biosimilars sie herstellt“, sagt Knobloch. „Das sollte man sich jetzt anschauen und nicht erst im Januar.“
Knobloch sieht auch Folgen für die Versorgung. „Bisher hat die Marge auf den Wirkstoff den Reinraum mitbezahlt und war ein Ausgleich für die hohen Investitionen. Wenn die wegfällt, werden sich einige Apotheken fragen, ob sich die Herstellung überhaupt noch lohnt.“ Die Konsequenzen spürten am Ende die Patientinnen und Patienten: „Dann gibt es weniger Herstellbetriebe, und die Onkologen werden aus größerer Entfernung beliefert. Fällt dann einer aus, könnte es eng werden.“