Der Lebensmittelhändler Tante Enso hat auch die Arzneimittelversorgung im Blick. Das Bremer Unternehmen, das bundesweit rund 140 Märkte über ein genossenschaftlich organisiertes Supermarktkonzept betreibt, kooperiert mit immer mehr Apotheken. Vier E-Rezept-Terminals stehen bereits. „Mein Ziel ist, bis Mitte kommenden Jahres 50 weitere in 50 Gemeinden zu installieren“, sagt Partnermanager Wolfgang Höfers.
Aktuell gibt es rund 140 Tante-Enso-Standorte. Mit der Insolvenz von Tegut sollen knapp 40 weitere Filialen dazukommen. „Mein Thema war immer: Versorgung sichern“, sagt Höfers. Unterversorgt mit Lebensmitteln seien etwa 1000 Gemeinden in Deutschland. Auch die Versorgung mit Medikamenten und weiteren Apothekenprodukten soll innerhalb des Konzepts eine größere Rolle spielen.
Aktuell gibt es an vier Standorten ein E-Rezept-Terminal, das von verschiedenen Apothekeninhabern betrieben wird. Zehn seien geplant. Apotheker Matthias Fischer betreibt im Tante Enso-Laden in Holtsee ein Terminal. Das Gerät befindet sich im Vorraum des Marktes. Im Schnitt kämen darüber bis zu sechs Rezepte pro Tag in seiner Apotheke an, sagt Höfers. Gerade im ländlichen Raum werde zu wenig auf die Versorgung – auch mit Arzneimitteln – geschaut.
In Brombachtal in Hessen etwa werden Kundinnen und Kunden von der Schloss Apotheke Erbach über ein Terminal versorgt. „Wir liefern Ihre Medikamente kostenlos zu Ihnen – in der Regel noch am gleichen Tag, spätestens am nächsten Werktag. Bezahlung direkt beim Boten in bar oder mit Karte“, wirbt Inhaber Marcus Unger. Wegen der Öffnungszeiten des Supermarktes ist es rund um die Uhr – auch an Sonn- und Feiertagen – zugänglich.
Im September öffnete beispielsweise in Stöckse in Niedersachsen ein neuer Tante-Enso-Markt gleich mit Apothekenterminal. Betreiber ist Khalil Ahmad von der Rosen Apotheke aus Rodewald. Der Inhaber ist begeistert: Mit der Eröffnung der Hausarztpraxis im ServiceCenter Stöckse lägen nur wenige Meter zwischen dem Hausarzt und dem Terminal.
Höfers ist überzeugt, dass sich die Terminals gerade mit einer Shop-Funktion rechnen könnten. „Auf jeden Fall“, sagt er. Ein Knackpunkt sei jedoch noch, wie man die Apotheken anspreche, damit es keinen Streit gibt. Bisher bekomme diejenige Apotheke den Standort, die sich zuerst melde. „Vielleicht sind Ausschreibungen für den Ort eine Lösung.“
Der Supermarktbetreiber wurde 2016 gegründet und versteht sich als Vollversorger in ländlichen Regionen; er will die Betriebskosten durch die geringe Fläche und limitierte Öffnungszeiten mit Personal geringhalten. Mit einer rund um die Uhr möglichen Einkaufsmöglichkeit und der Teilhabe der Kundschaft mit einer einmaligen Einlage von 100 Euro soll die Versorgung auf dem Land gesichert werden.