In fünf Kaufland-Filialen in Baden-Württemberg hat Apotheker Andreas Bühler ein E-Rezept-Bestellterminal aufgestellt. Das Modellprojekt in Kooperation mit der Schwarz-Gruppe (Kaufland, Lidl) soll einen alternativen Einlöseweg bieten. Der Inhaber der Apotheke im Kaufland in Bietigheim-Bissingen wehrt sich gegen Kritik, mit einem Großkonzern zu kooperieren. „Ich habe mir viele Gedanken gemacht, aber die Zeiten ändern sich“, sagt er.
Arzneimittel können schon länger in Supermärkten oder Bäckereien über Terminals in Apotheken bestellt werden. Betriebe mit Versandhandelserlaubnis dürfen E-Rezepte über diesen Einlöseweg entgegennehmen. Bisher handelt es sich um Einzelprojekte von Inhaberinnen und Inhabern. Auch Bühler unterstützt die Idee, entwickelte selbst ein Terminal und stellte zwei seiner „Medichecks“ in und vor der Apotheke auf. „Das fand Kaufland interessant“, sagt er.
Aus dem Interesse entstand eine Partnerschaft. Bühler konnte in fünf Filialen des Handelskonzerns in Bietigheim, Leonberg, Backnang, Sinsheim und Schwetzingen ein Terminal aufstellen. Geld erhält er laut eigenen Angaben dafür nicht. Kundinnen und Kunden können ihre Versichertenkarte einstecken und digitale Verordnungen in Bühlers Apotheke einlösen. Die Arzneimittel liefert er im Anschluss aus oder stellt sie zur Abholung bereit. „Die Rückmeldung der Kunden ist bis jetzt sehr positiv.“
Kaufland zeigt bereits länger Interesse am Gesundheitsmarkt und der Telemedizin. Getestet werden etwa bereits Arztkabinen. „Ich kann die Kritik verstehen“, sagt Bühler. „Aber wenn man neue Konzepte auf den Weg bringt, braucht man starke Partner für die Umsetzung.“ Der Markt sei unglaublich in Bewegung. Im Onlinebereich sei die Gefahr groß, dass die Rezepte ins Ausland gehen. „Der Kunde hat nur die Möglichkeiten, entweder online nach Holland oder der Weg zur Apotheke, der immer weiter wird.“
Hier will Bühler gemeinsam mit Kaufland ansetzen, und alternative Einlösewege anbieten. „Die Reichweite der Apotheke ist ein Thema. Wir haben nur ein relativ begrenztes Gebiet und die Laufwege ändern sich mit dem E-Rezept.“ Dies spürte der Inhaber selbst, als er eine Filiale in Innenstadtlage schließen musste, weil zu wenig Rezepte eingingen. „Die Apotheke war historisch wichtig, aber für die Zukunft brauchen wir Innovationen.“
Mit den Terminals solle keine Apotheke ersetzt werden. „Sie stehen nur an Kaufland-Standorten, wo es keine Apotheke gibt.“ Die Geräte stehen im Eingangsbereich – in Sinsheim etwa neben dem Leergutautomaten in der Mall. „Ich sehe nicht so viele Kunden dort“, sagt der Marktleiter. „Die Kunden trauen sich nicht so richtig ran, viele wissen nicht, was sie dort machen sollen“, sagt eine Angestellte in Backnang. In Bietigheim verweist das Kaufland-Personal bei Fragen an die Apotheke im Center.
Bühler will mit dem Pilotprojekt die Nachfrage der Kundschaft testen. „Wir müssen etwas tun. Es geht nicht um eine Monopolisierung, sondern darum, dass wir uns Apotheker nicht die Wurst vom Brot nehmen lassen.“ Die Apothekerschaft schlafe und Kundinnen und Kunden suchten sich andere Wege. Der Inhaber will das Projekt bei Interesse von anderen Kaufland-Apothekern auf weitere Filialen ausweiten.

Das Modellprojekt passt in den One-Stop-Shopping-Ansatz, den der Konzern bereits länger propagiert. Die Standorte sollen dabei um Angebote und Dienstleistungen ausgebaut werden, die Kundinnen und Kunden neben dem Wocheneinkauf einen zusätzlichen Mehrwert bieten, wie René Wolf, Leiter Vermietung bei Kaufland, erklärt. In Mosbach etwa gibt es eine Kooperation mit Deutschlands größtem Klinikbetreiber Sana und dem Unternehmen Medivise, das Arztkabinen anbietet. „Mit dem Pilotprojekt in unserer Filiale in Mosbach sammeln wir derzeit Erfahrungen, um zu verstehen, wie unsere Kunden das Angebot annehmen und wie sich das Modell im Alltag bewährt. Die Ergebnisse dieses Praxistests werden uns zeigen, ob und unter welchen Bedingungen eine Ausweitung des Konzepts auf weitere Standorte sinnvoll ist“, so Wolf.