Das Apothekensterben findet weiterhin fast ungebrochen statt. Immer wieder trifft es auch sehr alte Betriebe, die aufgrund negativer Bilanzen oder fehlender Nachfolger schließen müssen. So auch die Adler-Apotheke in Werne im Münsterland. Der Spiegel brachte dazu ein Interview mit dem Inhaber Friedrich Schneider.
Nach 206 Jahren Apothekengeschichte ist die Adler-Apotheke seit Ende Oktober dicht. Seit 1912 war der Betrieb in Familienhand. Auch Kindheitserinnerungen des Inhabers schwingen bei der Schließung mit. Er könne sich noch erinnern, wie er als Kind im Labor gesessen und seinem Vater und seinem Großvater, den alle nur „Pille“ genannt hätten, bei der Arbeit zugesehen habe. „Die Papiertütenmaschine, mit der ich als kleiner Junge Tüten gefalzt habe, habe ich jetzt beim Ausräumen wiedergefunden.“
In der Kindheit habe er Astronaut werden wollen, „aber danach immer nur Apotheker“. Dass er nun mit der Familientradition brechen müsse, liege an den aktuellen Bedingungen: „Die Zeiten sind härter geworden, es gibt nicht umsonst ein Apothekensterben, jedes Jahr machen um die 500 zu.“ Eine Apotheke werfe nicht mehr Gewinn ganz von alleine ab: „Bis Anfang der Nullerjahre lief alles noch ganz gut, aber dann kamen die Lauterbachs, all diese Gesundheitsminister, die uns über Jahre hinweg die Honorare eingefroren haben. Dabei stiegen die Kosten immer weiter. Und dann der Boom der Internetapotheken, die uns ziemlich zu schaffen machen.“
Die kleine Stadt Werne mit ihren 30.000 Einwohner:innen biete auch bei bester Innenstadtlage keinen wirklich guten Standort mehr, so der Inhaber gegenüber dem Spiegel. „Als ich Kind war, war das noch eine lebendige Einkaufsstadt. Dann kamen der Internethandel und der Beratungsklau – Beraten beim Fachhändler, Kaufen im Netz. Da kommen auch bei mir weniger Leute an der Tür vorbei. Dann zog auch noch der Frauenarzt oben über der Apotheke aus. Und der Marktplatz ist Fußgängerzone, deshalb habe ich auch keine Parkplätze vor der Tür.“
Insgesamt seien nun mehrere Faktoren zusammengekommen: 2017 hat er die Penta-Apotheke im benachbarten Lünen eröffnet. „Da gibt es Ärzte im gleichen Haus, einen Parkplatz, weniger Konkurrenz. Die Filialleiterin dort hat nun schneller als erwartet einen neuen Job gefunden, also mache ich dort weiter und hier Schluss.“ Auch das Personal wechselt mit rüber in die neue Hauptapotheke.
Der Abschied von der Familienapotheke fällt trotz rationaler, wirtschaftlicher Entscheidung schwer: „Mir blutet schon das Herz. Gerade in den letzten Tagen, als Stammkunden mit Blumensträußen und Pralinen vorbeikamen, standen mir die Tränen in den Augen.“ Auch sein Vater war mit seinen 90 Jahren noch in den letzten Tagen der Apotheke dabei. Aber seine Kinder wären als Nachfolge nicht infrage gekommen: „Ach, die sollen mal schön machen, was sie wirklich machen wollen. Und es sind nicht mehr die Zeiten, unbedingt Apotheker werden zu wollen.“
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