Inhaber bietet neues Franchise an

Apotheker: „Gesundheitsshop sichert mein Überleben“

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Berlin -

Wenn Praxen umziehen, kann dies das Aus für eine Apotheke bedeuten. Auch Marc-Richard Lindermeir aus Augsburg traf dieses Schicksal, doch der Inhaber der Tattenbach-Apotheke gab nicht auf. Weil er jedoch in dem neuen Ärztehaus keine Apotheke eröffnen konnte, machte er einen Gesundheitsshop mit Bestellterminal, Freiwahlangebot und Kaffeebar auf. „Ich habe die meisten Kunden behalten“, sagt er anderthalb Jahre später – und will das Konzept als Franchise jetzt Kolleginnen und Kollegen anbieten.

Lindermeir übernahm die Tattenbach-Apotheke im Jahr 2014, nachdem er dort seit 1998 als angestellter Apotheker tätig war. „Ich gehöre zum Inventar“, sagt er. Als sich zehn Jahre nach der Selbstständigkeit die größte Krise für seinen Betrieb anbahnte, musste er handeln. „Vier Ärzte sind weggezogen, in einen Bereich, in dem keine Apotheke möglich war.“ Im neu gebauten Bürokomplex Toni Park sei ihm nur eine Fläche von 70 Quadratmetern angeboten worden. „Damit muss ich nicht zum Amt gehen“, sagt er.

Apotheker verteidigt Geschäftsmodell

Der Inhaber überlegte sich stattdessen ein anderes Konzept. Im März 2025 eröffnete er dort den Gesundheitsshop „Apex Vital“ inklusive E-Rezept-Terminal und einem Freiwahlangebot von bis zu 200 Artikeln. Zusätzlich gibt es einen kleinen Aufenthaltsbereich inklusive Kaffeemaschine und eine Angestellte, die bei der Bedienung des Terminals helfe – aber nicht pharmazeutisch berate, betont der Apotheker. „Er ist aus einer Not heraus entstanden. Nicht um die Konkurrenz zu schwächen, sondern um die Menschen zu versorgen.“

Der Shop fiel auf und löste nicht überall Zustimmung aus. „Am Anfang kam das Amt vorbei, die Apothekerkammer und sogar der Pharmazierat, obwohl der damit nichts zu tun hatte“, sagt Lindermeir. Denn mit Versandhandelserlaubnis darf eine Apotheke ein Terminal aufstellen und die Rezepte per Versand oder vor Ort beliefern. Mit Blick auf Mitbewerber gibt er sich gelassen. „Jeder kann so einen Shop aufbauen.“ Es handele sich nicht um eine Light-Apotheke, da die Shops zur Apotheke gehörten, betont er. „Das ist die neue Welt, so wie jeder heute Apps hat und darüber bestellt.“

Inhaber kann Kundschaft halten

Der Apotheker probierte es nach einer juristischen Prüfung aus und profitierte: Die meisten Kundinnen und Kunden seien der Apotheke trotz Wegzug der Ärzteschaft treu geblieben. Sie würden entweder per Boten über den lokalen Versandhandel beliefert oder holten ihre Arzneimittel in der etwa sechs Kilometer entfernten Apotheke direkt ab. Beide Varianten würden etwa gleichermaßen genutzt, sagt er.

Apotheker Marc Lindermeir lächelt.
Apotheker Marc-Richard Lindermeir ist von seinem Konzept überzeugt und will es Kolleginnen und Kollegen anbieten.Foto: Tattenbach-Apotheke

Anfang dieses Jahres tat sich aus Sicht des Apothekers die nächste Versorgungslücke auf. Die Linden-Apotheke in Königsbrunn schloss und im Brunnenzentrum gab es damit für die Einwohnerinnen und Einwohner keine pharmazeutische Versorgung mehr. „Trotzdem sind dort fünf Ärzte angesiedelt.“ Doch ein Weiterbetrieb der Apotheke als Filiale hätte sich nicht gelohnt, sagt er. Die Räume seien allein schon für den Einbau einer modernen Klimaanlage nicht geeignet gewesen.

Zweiter Gesundheitsshop eröffnet

Im Februar eröffnete er auf einem Drittel der Fläche der ehemaligen Apotheke seinen zweiten Gesundheitsshop. „Die älteren Menschen können nicht einfach acht Kilometer weiter zur nächsten Apotheke gehen“, sagt er. „Sie können auch nicht alles online machen. Wenn wir als Apothekenansprechpartner mitsterben, wird auch die lokale Arztversorgung nicht mithalten können.“ Zudem biete der lokale Versand einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ausländischen Versandkonzernen. Die Ansprechpartner bleiben in der Vor-Ort-Apotheke. Im Betrieb selbst änderten sich mit den beiden Gesundheitsshops die Abläufe, täglich müssten viel mehr Einzelbestellungen kommissioniert und verpackt werden – eine neue Anforderung für das Personal.

Nach anderthalb Jahren und zwei eigenen Läden will der Inhaber der Tattenbach Apotheke das Konzept auch Kolleginnen und Kollegen anbieten – als Apotheken-Außenstellen für die Rezeptbestellung inklusive großem Freiwahlsortiment. Am 20. August lädt er in einen der Shops, um gemeinsam mit einer Unternehmensberatung seine Idee vorzustellen. Das Handbuch dazu umfasst rund 150 Seiten und enthält bis hin zu genauen Betriebsabläufen alles, was zur Führung einer Apotheke mit mindestens einem „Apex Vital“-Standorts notwendig sei, heißt es.

30 Prozent mehr Umsatz für Apotheken

Geworben wird mit einem Umsatzplus von 30 Prozent. „Ich denke immer noch an die Drogerien und wie Schlecker damals den Markt verändert hat. Wenn wir uns als Apotheken nicht wandeln, wird die Politik irgendwann handeln, Ketten erlauben oder Drogerien mehr Befugnisse geben. Ob Apex Vital etwas wird, wird man sehen, weil der Markt sehr konservativ ist.“

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