Telemedizin-Kabine

Cubedoc: 80.000 Euro für Videokabine

, Uhr
Berlin -

Mit Cubedoc drängt ein weiterer Anbieter von Beratungskabinen in den Markt – und die Ziele des Start-ups aus München sind hoch gesteckt: Nach den ersten Standorten in Pflegeheimen soll das Konzept nun bei Edeka getestet werden; auch die Apotheken sollen eine Zielgruppe sein. Der Preis ist hoch angesetzt – das Unternehmen aus München rechnet schon mit einem dreistelligen Millionenumsatz.

Nach seinem Auftritt beim Deutschen Apothekertag (DAT) schaute Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) noch kurz auf der Expopharm vorbei; der Stand von Cubedoc war der erste Zwischenstopp. Viel Prominenz für ein bis dahin vergleichsweise unbekanntes Start-up.

Wie Medivise oder SymptoX bietet Cubedoc Kabinen zur telemedizinischen Beratung an, komplett ausgestattet mit Werkzeugen zur Diagnose und einer entsprechenden digitalen Plattform. „Neue Dimensionen des effizienten und niedrigschwelligen Zugangs zu ärztlicher Versorgung“, lautet das Firmenmotto.

Erst im April hatte Cubedoc seinen ersten Gesundheitswürfel im Parkwohnstift in Bad Kissingen eröffnet. Schon damals hieß es, man habe verbindliche Abnahmeverträge für mehr als 50 Systeme abgeschlossen. Gespräche über weitere signifikante Abnahmeverträge befänden sich in fortgeschrittenem Stadium. „Die Vereinbarungen bilden die Grundlage für eine schnelle Expansion und sichern schon zum Markteintritt eine führende Position in Deutschland.“

Rasantes Umsatzwachstum

Nach aktuellen Planungen sollen 50 Geräte noch im laufenden Jahr installiert werden. Das soll sich auch in den Geschäftszahlen niederschlagen: Für 2026 stellt das Unternehmen einen Umsatz mindestens im mittleren einstelligen Millionenbereich in Aussicht. Der Break-even ist für das vierte Quartal geplant.

Wie soll das rasante Wachstum bei Umsatz und Ertrag zustande kommen? Das Erlösmodell kombiniert laut Firmenangaben einmalige Einnahmen pro installierter Einheit mit wiederkehrenden Erlösen aus der Bereitstellung der digitalen Infrastruktur. Ergänzt werden soll dies durch zusätzliche Umsatzpotenziale aus servicebasierten Leistungen.

Was Kundinnen und Kunden dafür erwarten können? „Hochgradige Digitalisierung aller Prozesse von Patientenmanagement, Datenaustausch und Diagnostik unter Einbindung Künstlicher Intelligenz und mit persönlichem Vor-Ort-Support.“ Und: Ein Netzwerk zu Ärzten (MVZ), Krankenkassen und Medizintechnikherstellern sichere die Erfüllung aller regulatorischen Anforderungen, die medizinische Expertise sowie die Produktqualität und Abrechnungssicherheit der Leistungen bei GKV sowie PKV.

Wie viele Ärztinnen und Ärzte tatsächlich angebunden sind, verrät Cubedoc nicht. Konkrete Nachfragen zum Ärztenetzwerk oder zu weiteren Partnern – als Drehscheibe fungiert dem Vernehnen nach die Praxisverwaltungssoftware clinicOS – wurden nicht beantwortet: Man arbeite eng mit einem Netzwerk an unterschiedlichen Ärzt:innen sowie mit MVZ und Medizintechnikherstellern zusammen, so ein Sprecher.

Erst Landapotheke, dann Supermarkt

Interne Unterlagen aus dem Frühjahr zeigen, wie das Management sich den Roll-out vorstellte: Zunächst sollte der Fokus auf Pflegeeinrichtungen sowie Apotheken im ländlichen Raum und kommunalen Einrichtungen wie Gesundheitskiosken liegen. Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse sollte das Modell dann auf Handelsflächen, Unternehmen und urbane Regionen ausgeweitet werden.

Bei 250 verkauften beziehungsweise vermieteten Einheiten waren laut Businessplan in diesem Jahr ursprünglich Erlöse von 23 Millionen Euro geplant. 2027 sollten es dann bei 600 Kabinen schon 63 Millionen Euro sein, 2028 bei 1000 Standorten 113 Millionen Euro und 2029 bei 1200 Installationen schließlich 152 Millionen Euro.

Bis 2030 sollten 3 bis 5 Prozent der potenziellen Standorte in Deutschland in Pflege und Apotheken erschlossen sein. Auch die internationale Expansion war geplant.

Bei Installation eines Cubes fallen laut Businessplan einmalige Einnahmen von rund 80.000 Euro an. Hinzu kommen wiederkehrende Einnahmen von 18.000 Euro pro Jahr und Gerät.

Pro Cube wurde intern mit Produktionskosten von 40.000 Euro gerechnet. Insgesamt kalkulierte man für die zweijährige Startphase mit Investitionskosten von rund 1,2 Millionen Euro.

Der Cubedoc-Stand war Linnemanns erste Station auf der Expopharm. Foto: APOTHEKE ADHOC

Und auch an der Videosprechstunde selbst wollte Cubedoc mitverdienen. Medizinische Leistungen sollten von einer – berufsrechtlich korrekt getrennten – verbundenen Ärzte-GmbH erbracht werden. Die hier beauftragten freiberuflichen Ärztinnen und Ärzte sollten die Hälfte der medizinischen Erlöse erhalten. Bei Öffnungszeiten von 8 bis 20 Uhr sollte die Betreuung über zwei Schichten abgedeckt werden.

Börsennotiertes Start-up

Hinter Cubedoc steht die gleichnamige Betreibergesellschaft, deren Aktien mittlerweile im Freiverkehr an der Düsseldorfer Börse gehandelt werden. Allzu viele handfeste Informationen zu Geschäftszahlen gibt es nicht; auf der Website sind die Jahresabschlüsse lediglich einer reinen Vorratsgesellschaft eingestellt, auf die der Betrieb erst im März übertragen wurde. Auch die Satzung stammt entsprechend aus dem Frühjahr; eine für den morgigen Dienstag angesetzte außerordentliche Hauptversammlung zur Änderung einiger Paragrafen wurde abgesagt.

Maßgebliche Aktionäre sind die beiden Firmengründer Dr. Kaneschka Jahanyar und Fynn Niklas Gronewald mit jeweils rund 37 Prozent der Anteile. Jahanyar ist Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie mit Praxis in Frankfurt und Wohnsitz in Sugar Land, Texas. Gronewald hat seinen Posten als Direktor im Juni abgegeben und damit begonnen, seine Aktien zu verkaufen. Nachfolger des 19-Jährigen ist Hubertus Seidler, der zuvor Geschäftsführer der SWB Wohnstift Betriebsgesellschaft mit bundesweit 28 Pflegeeinrichtungen war. Er hält ebenfalls rund 7 Prozent der Anteile, weitere 20 Prozent liegen beim Schweizer Investor Patrik Matthias Paulus.

Nur ein kleiner Anteil der Aktien wird derzeit gehandelt; die Hauptinvestoren haben vereinbart, in den kommenden beiden Jahren keine Anteile zu verkaufen. Damit soll der Streubesitz kurzfristig bei 10 bis 15 Prozent liegen.

Aktuell wird das Unternehmen auf Basis des Aktienpreises mit rund 130 Millionen Euro bewertet. Jetzt müssen die Pläne nur noch umgesetzt werden.

Jetzt kostenlos weiterlesen!
Einfach anmelden bei APOTHEKE ADHOC plus – komplett kostenfrei.
Weil guter Journalismus unbezahlbar ist.
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch
Mehr zum Thema
Videosprechstunde in Apotheke
Philippi testet assistierte Telemedizin
Mehr aus Ressort
Neuer Marketingdirektor
Freier: Phoenix statt Easy
50 Prozent in fünf Jahren
Medios will kräftig wachsen
25-jähriges Jubiläum
Jauch kommt zur Redcare-Party