Die Pilgrim-Apotheke im thüringischen Treffurt ist zurück. Nach der Schließung vor zwei Jahren hatte Apotheker Christoph Zähle den Standort zunächst in einen Gesundheitsshop umgewandelt, als Filiale hätte es sich nicht gelohnt. Seit vier Tagen betreibt er dort wieder eine Apotheke – genauer: die erste Zweigapotheke Thüringens.
Seit 2014 ist Zähle Inhaber und führt die Brunnkress- und Anger-Apotheke in Mühlhausen und Oberdorla. 2022 übernahm der 44-Jährige mit der Mohren-Apotheke in Mühlhausen seine zweite Filiale. Zwei Jahre später wurde im rund 26 Kilometer entfernten Treffurt die Pilgrim-Apotheke nach mehreren Jahrzehnten von der damaligen Inhaberin geschlossen – eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger fanden sich nicht.
Zähle sprang ein – doch die Gründung einer weiteren Filiale sei nicht realistisch gewesen, sagt er. Vor allem der Personaleinsatz hätte sich für den Standort nicht rentiert. „Ich hätte zwei Apotheker, einen davon als Filialleiter, einstellen müssen“, sagt er. Zudem hätte er in ein neues Labor investieren müssen. „Das wäre alles nicht wirtschaftlich gewesen.“
Deshalb blieb es zwar bei der Apothekenschließung. Der Apotheker investierte stattdessen in einen Gesundheitsshop, in dem er apothekenübliche Waren durch PTA verkaufen ließ. Die Angestellten halfen der Kundschaft auch, Rezepte an eine der Apotheken Zähles weiterzuleiten. Die Medikamente wurden vom Botendienst oder über die Versandhandelserlaubnis geliefert. Der Shop sorgte für Wirbel und auch die Apothekerkammer schaute genau hin, konnte jedoch nichts beanstanden. Das zuständige Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz hatte an dem Konzept nichts zu beanstanden.
Zwischenzeitlich betonte der Apotheker, dass ein Gesundheitsshop mit Anbindung an eine Apotheke besser als eine komplette Schließung für die Bevölkerung sei. Die Menschen seien dankbar. Er wünschte sich, dass mit einer Apothekenreform die Bedingungen für die Gründung einer Apotheke gerade für ländliche Regionen erleichtert würden.
So kam es. Zwar wurden nicht die unter Karl Lauterbach (SPD) diskutierten Light-Apotheken zugelassen. Aber mit Inkrafttreten des Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG) wurden die Anforderungen an Zweigapotheken gelockert. Im ländlichen Raum müssen diese etwa kein Labor mehr vorhalten, auch eine eigene Filialleitung ist nicht mehr nötig und die Notdienste sind erheblich eingeschränkt. Eine Voraussetzung ist die Abgelegenheit des Standortes: Ein Ort oder Ortsteil gilt laut Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) in der Regel als abgelegen, wenn die genannte Straßenentfernung sechs Kilometer überschreitet oder die Erreichbarkeit der nächstgelegenen Apotheke mit öffentlichen Verkehrsmitteln während der allgemeinen Ladenöffnungszeiten in der Regel eingeschränkt ist.
Inhaber können zusätzlich zu den vier regulären Apotheken zwei Zweigapotheken führen. Die Erlaubnis wird für zehn Jahre erteilt.
Einen Tag nach Inkrafttreten stellte Zähle einen Antrag auf Eröffnung einer Zweigapotheke in Treffurt. Nach kurzer Zeit kam die positive Antwort, in dem Ort wurde der Gesundheitsshop geschlossen und in denselben Räumen die Apotheke neu eröffnet – unter dem altbekannten Namen. „Für uns ist das hier eine Option“, sagt der Inhaber, der die schnelle und gute Arbeit der Zulassungsbehörde lobt. Mit einer Apothekerin in Teilzeit und zwei PTA sei die Apotheke wochentags immer bis 13 Uhr erreichbar. Am Montag und Donnerstag sei sie bis 18 Uhr geöffnet.
Der Apotheker freut sich über die Lockerungen. Mit dem kurzen Notdienst und dem nicht nötigen Labor fielen Punkte weg, die viel Geld kosteten. „Wir haben drei super Standorte mit Labor und ich kann Rezepturen standortübergreifend herstellen. Für den Patienten macht das keinen Unterschied“, betont er. „Wir müssen jetzt schauen, wie es läuft.“ In der Eröffnungswoche kamen mehrere Lokalpolitiker und Staatssekretärin Tina Rudolph vorbei und schauten sich die erste Zweigapotheke Thüringens an. „Wir haben uns sehr darüber gefreut.“