Drei PTA im Gesundheitsmarkt

„Apotheke Light? Warum nicht!”

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Berlin -

Die Pilgrim-Apotheke im thüringischen Treffurt gibt es nicht mehr. Jahrelang hatte die ehemalige Inhaberin vergeblich nach einem Nachfolger gesucht; nach über 30 Jahren schloss sie ihren Betrieb Ende Februar. Seit Dienstag gibt es nun den „Treffurter Gesundheitsmarkt“, betrieben von Christoph Zähle von der Brunnenkress-Apotheke im 25 Kilometer entfernten Mühlhausen. Die Kunden sind erleichtert – Kritik gibt es nur aus den eigenen Reihen.

Mit dem Gesundheitsmarkt will Zähle die bisherigen Arbeitsplätze erhalten und die Landbevölkerung weiterhin mit Arzneimitteln versorgen. Denn nach der Schließung der Pilgrim-Apotheke müssten die Treffurter ohne den Gesundheitsmarkt acht Kilometer zur nächsten Apotheke zurücklegen.

Zuvor hatte die Inhaberin der Pilgrim-Apotheke jahrelang nach einem Nachfolger für ihre Apotheke gesucht. Da Apothekerinnen oder Apotheker, wie vielerorts anders auch, rar sind, entschied sich Zähle zum Gesundheitsmarkt-Konzept. Die drei PTA aus der ehemaligen Apotheke übernahm er: Diese dürfen im Gesundheitsmarkt zwar keine Beratung zu Rx und apothekenpflichtigen Produkten ausüben, bleiben der Kundschaft aber als vertraute Gesichter erhalten. Was seine Angestellten dürfen, musste deshalb genau im Arbeitsvertrag festgehalten werden.

Neben dem Gesundheitsmarkt betreibt Zähle die Brunnenkress-Apotheke in Mühlhausen sowie zwei Filialen; eine ebenfalls in Mühlhausen, eine weitere im von Treffurt 20 Kilometer entfernten Oberdorla. Grundsätzlich ist er gegen ein Fremdbesitz und Versandhandel aus dem europäischen Ausland. Der Versender muss keine temperierten Transportwege gewährleisten, was auch gar nicht mehr wirtschaftlich wäre, wenn er hier den Standard der Apotheke vor Ort einhalten müsste.

Kritik nur aus den eigenen Reihen

„Der Kunde kann hier alle Produkte kaufen, die eben nicht apothekenpflichtig sind“, stellt Zähle klar. „Wenn der Kunde mit einem Rezept zu uns kommt, dann kann dieses mit Hilfe unserer App an unsere Filiale übermittelt werden.“ Die Kundschaft bekommt ihre Rx-Medikation und weitere Wünsche aus der Filiale in Oberdorla am Folgetag; in Notfällen, wie beispielsweise bei Antibiotika, auch schneller. Momentan funktioniert das nur mit einem ausgedruckten Token, zukünftig sei das dann auch über „Card Link“ möglich.

„Man kann es Pick-Up oder Click-and-Collect-Konzept nennen”, fasst der Apotheker das Angebot seines Gesundheitsmarktes zusammen. „Rein rechtlich gesehen mache ich hier gerade Versandhandel; nicht bei jedem Kollegen ist das gern gesehen“, erklärt Zähle. Er stellt klar: „Das ist nicht zu Vergleichen mit dem, was aus den Niederlanden angeboten wird. Unser Konzept ist wohnortnah, keine Rosinenpickerei und ohne Rx-Boni. Die Alternative dazu ist, dass der Ort ohne pharmazeutische Versorgung auskommen muss.“

Apotheke Light? Warum nicht!

Wenn Zähle einen Apotheker findet, will er den Gesundheitsmarkt gerne wieder zu einer Apotheke umformen. „Wenn die Möglichkeit besteht, nach der Apothekenreform eine Apotheke Light zu betreiben, dann: Warum nicht!“ Immerhin, so Zähle, stehe doch eine Apotheke mit Apotheker hinter dem Konzept. Den Gesundheitsmarkt erkennt er als Übergangslösung, bis eine der beiden Entscheidungen getroffen werden könne.

„Aufgrund des E-Rezeptes, der bevorstehenden Reform, des unangepassten Honorars und des Fachkräftemangels ist der Markt im Wandel. Warum hält man da immer noch an Konzepten fest, die aus Zeiten stammen, wo wir diese Probleme nicht hatten?“ Die Apothekenreform und das Light-Konzept von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht der Inhaber als Chance und Diskussionsbasis. „Ich bin der Meinung, dass, wenn man bei der Zulassung und Niederlassung genau hinschaut, warum soll man das nicht zulassen, um eine Region zu versorgen?“

Eine pauschale Ablehnung – auch von Seiten der Standesvertretung – findet Zähle schwierig: „Man hätte sich gegenüber dem Konzept öffnen können, um es in Bahnen zu lenken, mit denen man gut umgehen kann. Es geht immerhin noch um ein Eckpunktepapier, über das man sprechen kann. Pauschal zu sagen ‚Das geht auf gar keinen Fall‘, finde ich einfach schwierig als Verhandlungsstrategie, und ich weiß auch nicht, ob das so klug ist“, so der Apotheker. In dieser Hinsicht könne er Lauterbach sogar verstehen, wenngleich er sonst keine Sympathie für ihn habe: „Ich unterhalte mich doch mit niemandem, der von vornherein komplett dagegen ist.“

Auch Telepharmazie als Chance

Während eine telemedizinische Diagnostik weniger kritisch gesehen würde, kann Zähle nicht nachvollziehen, warum an der Telepharmazie so wenig Positives von Kolleginnen und Kollegen erkannt wird. „Warum soll denn unter zuverlässigen technischen Voraussetzungen keine pharmazeutische Beratung möglich sein? Ich finde, in beiden Fällen ist das eine Alternative zum herkömmlichen Konzept, nur: Medizinisch wird es akzeptiert, pharmazeutisch aber nicht.“

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