„Hey Online-Apotheken“: Inhaber will Kunden zum Nachdenken provozieren

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Berlin - Tobias Brandl macht sich in sozialen Medien gerade viele Freunde unter seinen Kollegen: Vor seiner Palmen-Apotheke in Ottobrunn bei München schießt er mit einem mannshohen „Wachrüttelplakat“, wie er es nennt, gegen die Konkurrenz aus dem Netz. Doch die Adressaten sind nicht die Kollegen, sondern die Kunden, die er damit auf die rechtliche Ungleichbehandlung von Vor-Ort- und ausländischen Versandapotheken aufmerksam machen will. Denn die Digitalisierung sei nicht das Problem, betont Brandl, ganz im Gegenteil: Sie sei eine große Chance für die Branche. Das Problem sei eine verfehlte Gesundheitspolitik.

„Hey Online-Apotheken, wo war euer Beistand während des Lockdowns?“, liest der Kunde auf dem Plakat, bevor er die Apotheke betritt. „Wir von der Palmen-Apotheke dagegen sind für Sie da, hören Ihnen zu, beraten Sie in allen Gesundheitsfragen und liefern Ihre Arznei innerhalb weniger Stunden bis vor Ihre Haustür – auch und gerade in Krisenzeiten! Bleiben Sie gesund und unterstützen Sie uns hier vor Ort!“

Seit Dienstag ziert der Aufsteller Brandls Apotheke und, wie der Einstieg schon vermuten lässt, ist die Idee aus akutem Frust heraus geboren. Denn Brandl hat wie tausende Kollegen drei anstrengende Monate hinter sich. „Ich habe mich während der Coronakrise selbst auch samstags und sonntags in die Apotheke gestellt und Desinfektionsmittel gemischt, habe Baumwollmasken von einem Gardinenhersteller aus dem Nachbarort besorgt oder Nachfragen gestellt, falls jemand 10 Packungen Paracetamol kaufen wollte“, erzählt er. „Und was ist bei den großen Versendern? Da steht einfach auf der Homepage, dass der Artikel ausverkauft ist.“ Bewusst war ihm das die ganze Zeit, aber wie so oft brauchte es noch einen kleinen Tropfen, damit das Fass überläuft.

Eines späten Abends war Brandl auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, als ihn im Auto das Plakat einer bekannten niederländischen Versandapotheke angrinste. „Ich stehe also an der Ampel und lese in großen Buchstaben: ‚Der bequemste Weg vom Arzt in die Apotheke‘. Da habe ich mich gefragt: ‚Wo ist denn bitte euer Anteil im Moment?!‘ Das hat mich dann so aufgeregt, dass mir die Idee mit dem Aufsteller kam.“ Gedacht, getan: Brandl ließ das Plakat anfertigen und platzierte es prominent im Schaufenster, wo es seit Dienstag die Kunden begrüßt. Doch statt nur gegen die Online-Konkurrenz zu schießen, will Brandl die Kunden zum Nachdenken und bestenfalls einem Gespräch über das Thema animieren. Denn er will keineswegs missverstanden werden, wie er betont.

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