Hansmann schreibt an Merkel

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Berlin - Noch während sich die Apotheken mit den technischen Startschwierigkeiten beim Ausstellen des digitalen Impfnachweises herumschlagen, kündigt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Kürzung der Vergütung an. Die Empörung ist groß, Apotheker Uwe Hansmann aus Niedersachsen hat sich an Kanzlerin Angela Merkel gewendet. Der Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) mutmaßt derweil, dass Spahn mit der Aktion schon Wahlkampf mache.

Hansmann ist Inhaber der Alten Apotheke in Lilienthal; als ehemaligem Vize des Landesapothekerverbands und Kreisvorsitzendem der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) im Landkreis Osterholz bei Bremen ist er mit dem politischen Geschäft vertraut. Was aber gerade mit den Apotheken passiert, dafür hat er kein Verständnis mehr: „Aus meiner Sicht und der Sicht vieler Berufskolleginnen und Kollegen nimmt das Verhalten der Regierung, hier des BMG unter Jens Spahn, gegenüber uns Apothekern mittlerweile groteske Züge an“, schreibt Hansmann an Merkel.

„Wir holen hier vor Ort seit Anbeginn der Corona-Krise die Kohlen für den Minister aus dem Feuer“, zählt Hansmann auf: „Zuerst Maskenbeschaffung und Verteilung in Rekordzeit, zeitnahe Herstellung von Unmengen Desinfektionsmitteln in unseren Laboren, Aufbau funktionierender Testcenter in Städten und Gemeinden und jetzt die millionenfache Digitalisierung von Impfzertifikaten, ebenfalls in rekordverdächtiger Zeit.“

Stets hätten die Apotheken bereitgestanden und unter „massivem Einsatz von Zeit, Geld und engagierter Mitarbeiterschaft“ mit dafür gesorgt, das Deutschland bis dato vergleichsweise gut durch diese Krise gekommen sei. „Und wir wollen das gerne weiter tun, sehen aber aktuell wachsende Unsicherheiten im Verhältnis zum BMG.“

Hansmann wird konkret: „Der Minister will jetzt zum wiederholten Male die Honorierung der genannten Tätigkeiten, die von uns reichlich vorfinanziert werden müssen, innerhalb weniger Wochen, entgegen vorheriger Vereinbarung, erheblich kürzen. Das ist – mit Verlaub – unredlich und unfair! Hier bleibt die für diese Tätigkeiten notwendige Planbarkeit und Verlässlichkeit auf der Strecke.“

So könne und dürfe es nicht gehen im Umgang mit Berufsgruppen, die einen staatlichen Versorgungsauftrag zu erfüllen hätten
und die dieses in herausragender Weise täglich unter Beweis stellten. „Ich bitte Sie höflichst, hier persönlich zu intervenieren und gemeinsam mit dem Minister und unseren Berufsvertretungen in Berlin eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu entwickeln.“

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