Das Kry-Experiment

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Der Infoflyer erklärt den Apothekenmitarbeitern, was ihnen gerade widerfährt: „Liebe Apotheke, Sie haben nach telefonischer Absprache gerade ein Privatrezept von einem Arzt bei Kry per Fax erhalten, vielen Dank für Ihre Kooperation.“ Der Patient erscheine bald zur Abholung der Medikation. „Bitte unterschreiben und stempeln Sie das Rezept nach Bezahlung, damit der/ die Patient/in es zur Erstattung einreichen kann.“ Dass die Apotheken dem Braten nicht ganz trauen, hat man bei Kry antizipiert: „Sie sind sich nicht sicher, ob das Rezept gültig ist?“ Mit ein paar Infos soll den Apothekern die Angst genommen werden: Das Rezept wurde im Rahmen einer Videosprechstunde von einem approbierten Facharzt ausgestellt. „Kontaktieren Sie uns gern, um den Arzt direkt zu sprechen.“

Kurz darauf erntet unsere Patientin den nächsten verwirrten Blick: „Und was soll ich jetzt damit machen?“, fragt die mittlerweile hinzugekommene Apothekerin. Sie solle das abzeichnen, so unsere vermeintliche Patientin. Wieder ein verwirrter Blick, diesmal auf die Zettelwirtschaft. Auch sie will wissen, wo das Rezept herkommt. „Das hatten wir so noch nicht.“ Mit einem scharfen Blick über den HV-Tisch erspäht unsere Patientin, dass die Pharmazeutin erst einmal „Kry“ googelt. „Das ist ja nur eine Kopie“, sagt sie mit Blick auf das Rezept.

Sie will auf Nummer sicher gehen und fragt unsere Scheinpatientin ein wenig aus: Wo sie denn versichert ist, will sie wissen – obwohl das gar keinen Unterschied macht. Sie hält eine der beiden Packungen über den Tresen und beginnt ein kleines Quiz: „Das hier ist ein Antibiotikum gegen…?“ Unsere Patientin ist ein wenig verdutzt, aber vervollständigt den Satz: „Blasenentzündung.“ Die Apothekerin nickt. „Und diese Packung hier?“, hakt sie nach. „Ähm, auch Blasenentzündung.“ Volle Punktzahl.

Kurz nach halb sieben geht unsere Patientin mit ihren beiden Medikamenten aus der Apotheke. Bilanz: Ohne wirklich krank zu sein hat sie innerhalb von zweieinhalb Stunden mit einem Arzt gesprochen, ein Rezept erhalten und ihre Arzneimittel in der Apotheke abgeholt. Für das Arztgespräch fallen 32,62 Euro an, für die Arzneimittel nochmal 31,78 Euro – beides kann sie sich als gesetzlich Versicherte (noch) nicht erstatten lassen. Und die zweieinhalb Stunden beinhalten bereits eine Stunde Warten auf den Rückruf vom Support.

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