„Eigentlich ist das nur noch eine Hobby-Apotheke“

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Berlin - Thomas Meyer-Weyermann gehört zu einer anscheinend aussterbenden Art: Er ist Berliner Kiez-Apotheker. Lange hat er es entgegen aller widrigen Umstände ausgehalten und sich ohne große Verluste in den Ruhestand gerettet – und ohne seine Mitarbeiter unter den schwierigen Bedingungen leiden zu lassen, wie er betont. Einen Nachfolger für seine Falken-Apotheke in Kreuzberg hat er trotzdem nicht gefunden. Dennoch, er hat seinen Frieden mit der schwierigen Situation geschlossen.

Kreuzberg ist fast schon ein Synonym für Gentrifizierung: Vom heruntergekommenen Gastarbeiterdistrikt hat sich das Viertel im Herzen der Hauptstadt zum hippen Trendkiez entwickelt – mit allen Verwerfungen, die das mit sich bringt. Wohl dem, der einen alten Mietvertrag hat und von den steigenden Preisen nicht betroffen ist. Dieses Glück hat Apotheker Meyer-Weyermann, seit 1983 Inhaber der Falken-Apotheke. Was für Berliner Verhältnisse schon eine kleine Ewigkeit ist, ist für die um 1870 gegründete Apotheke nur der letzte Lebensabschnitt. Denn am 15. Dezember schließt die 150-jährige Offizin zum letzten Mal.

Gewollt hat Meyer-Weyermann das freilich nicht. „Seit einem Jahr hatte ich einen Nachfolger gesucht und tatsächlich haben sich auch einige Kollegen beworben“, erzählt er. „Ich hatte auch schon einen aus meiner Sicht geeigneten Kandidaten. Aber nachdem dann die Finanzberater die Unterlagen durchgeschaut haben, haben sie ihm abgeraten.“ Übel nehmen will er das aber niemandem. „Eigentlich ist das ja in den letzten Jahren auch eher eine Hobby-Apotheke. Zumindest hätte man nicht mehr von ihr leben können“, sagt er, ohne dabei auch nur ein bisschen vergrämt zu klingen. „Meine Frau und ich hatten das Glück, dass sie schon eine gute Rente bezogen hat und unser Lebensstandard mit Mietwohnung und kleinem Auto nicht allzu hoch ist. Den konnten wir deshalb gut halten.“

Doch das war nicht immer so. Als es Kreuzberg schlechter ging als heute, ging es seiner Apotheke noch besser. Anfang der 80er, als die marode Nachbarschaft Südost 36 noch auf drei Seiten von der Mauer umgeben war und sich Punks und flüchtige Kriegsdienstverweigerer hier sammelten, um unsanierte Altbauten zu besetzen. „Direkt neben uns, in der Reichenberger Straße 63a, war eines der bekanntesten besetzten Häuser West-Berlins. Das waren alles unsere Kunden“, erinnert er sich. „Man kann ja über die Hausbesetzerszene denken, wie man will, aber am Ende hatten sie recht. Ohne die wäre hier viel mehr abgerissen statt saniert worden.“

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