Berufsethos

Ehrensache: Midazolam am Weihnachtstag APOTHEKE ADHOC, 07.01.2019 15:25 Uhr

Berlin - Freitag um eins macht jeder seins, vermittelt der Volksmund die deutsche Arbeitsmoral. Dass das für Heilberufler nur sehr eingeschränkt gilt, ist Teil des Berufsethos. Auch wenn am ersten Weihnachtsfeiertag schon fast der Braten auf dem Tisch steht, muss man dann manchmal ran, wenn man seine Arbeit ernst nimmt. Apotheker Jens Wiemann ging es so. Er macht das gern, klagt aber auch die Politik an: Ein Versender wäre am Feiertag nicht extra in die Apotheke gefahren!

Im Kalender steht am 25. Dezember eigentlich dick angestrichen „Besinnlichkeit!“ So war es auch bei Wiemann, seit 20 Jahren Inhaber der Ordens-Apotheke im niedersächsischen Bad Harzburg. „Ich saß gerade gemütlich mit meiner Familie zusammen, als mich ein guter Freund anrief“, erinnert er sich. „Er ist auch Apotheker, seine Mutter ist im Hospiz. Dort war eine Ärztin an ihn herangetreten, weil es einen Notfall gab: Sie brauchte für einen Palliativpatienten dringend Midazolam-Ampullen, hatte aber keine dabei.“ Für den 51-Jährigen stellte sich die Frage gar nicht, was nun zu tun sei. Er setzte sich ins Auto, fuhr in die Apotheke und holte das Hypnotikum. „Die Ärztin kam dann bei mir zuhause vorbei, um das Midazolam abzuholen.“

Für Wiemann ist das eine Selbstverständlichkeit. „Für mich ist das völlig klar, dass ich nicht aus Bequemlichkeit abwiegele, wenn es da jemandem schlecht geht. Kein echter Heilberufler will doch, dass da jemand leidet“, sagt Weimann. Doch damit ist für ihn noch nicht Schluss. Denn den Akt der Nächstenliebe zum Weihnachtsfest sieht Wiemann nicht nur nur als individuelle Handlung, sondern in einem größeren Kontext – und da liegt einiges im Argen.

„Bestimmt wäre auch jeder Versandhändler am Feiertag losgefahren, denen geht es ja schließlich nur um das Wohl der Patienten“, schreibt er sarkastisch in einem Facebook-Post gerichtet an den Gesundheitsminister. „Falls Sie also mal in einer Notlage sind, Herr Spahn, Ihre DocMorris-Freunde sind dann bestimmt sofort für Sie da.“ Auf den Post angesprochen, steigt bei Wiemann hörbar der Unmut: „Ich habe für die Abgabe an Weihnachten nicht einen einzigen Euro zusätzlich zum Vertragspreis abgerechnet – das hätte ich auch gar nicht gekonnt“, betont er, „diese Arbeiten für das Gemeinwohl sieht Herr Spahn nicht!“

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