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Apotheker zieht in seine Apotheke Alexander Müller, 07.04.2018 07:59 Uhr

Berlin - Es gibt sie noch, die ganz kleinen Apotheken. Sogar echte Ein-Mann-Betriebe. Je nach Öffnungszeiten und Entfernung zur eigenen Wohnung lohnt sich da schon gar nicht mehr, nach Hause zu gehen. Projekt: Der Apotheker immer in seiner Apotheke.

Nehmen wir Marco B. Seine Mittagspause hat er sowieso schon immer allein in seiner Eremiten-Apotheke verbracht. Nur schnell gegenüber etwas zu essen gekauft und dann die Pause – er spricht von kundenfreier Zeit – im Büro für den ganzen Papierkram genutzt. Als es abends über Rezeptkontrolle und Kassemachen mal wieder spät wird, entscheidet er sich, die Nacht im Notdienstzimmer zu verbringen. (Wofür auch er vermutlich nicht so gerne aufsteht.)

Gut ausgeschlafen nimmt er sich am nächsten Morgen Zahnbürste und -pasta aus der Sichtwahl und trottet ins kleine Badezimmer – da kommt ihm die Idee. Wozu soll er überhaupt noch Miete zahlen? Seit Jahren ist er kaum mehr als zum Schlafen zu Hause. Wozu also diese doppelte Haushaltsführung? Mit einer paar kleinen Anpassungen hätte er hier alles, was er zum Leben benötigt.

Die Mitarbeitertoilette – Marco nennt sie aus Gewohnheit so – ist zu klein für ein vollwertiges Badezimmer. Aber im Labor ist noch Platz. In einer Ecke richtet er eine kleine Nasszelle ein und tarnt sie als Abzug. Das Esszimmer-Büro wird etwas wohnlicher eingerichtet. Das Wichtigste aber für Marco: ein gutes Bett. Die Pritsche im Notdienstzimmer ist durchgelegen. Ein befreundeter Innenarchitekt hat die zündende Idee: Gemeinsam bauen sie in einem Teil der Sichtwahl um – morgens Kytta, abends Klappbett.

Marco ist begeistert: „Ich liebe meinen Beruf. Für mich gibt es nichts Schöneres, als in der Apotheke zu sein.“ Und die Zeit, die er sonst mit Fahrtwegen zu seiner Apotheke verschwendet hat, trainiert er jetzt im Fitnessraum in der Großhandelsschleuse – die er ja nun ebenfalls nicht mehr benötigt. Er ist ja immer da.

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