Ärger mit der Bonverwertung

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Berlin - Durch die Tür, zur linken Reihe und jeder nur einen Bon – das wurde in der Offizin schnell langweilig. Also hat die kreative Apothekerin Lena P. aus den ganzen herrenlos zurückgelassenen Belegen etwas Neues erschaffen. Hätte sie gewusst, dass ihr das auch gleich neuen Ärger einbringt, sie hätte den normalen Weg ins Altpapier gewählt.

Seit dem Neujahrstag druckt Lena wie (fast) alle ihre Kollegen brav für jeden Kunden einen Bon aus – die Belegausgabepflicht ist die erste Segnung 2020, auf die der Gesetzgeber trotz guten Zuredens nicht verzichten wollte. Und wie in allen anderen Apotheken interessiert sich fast kein Kunde dafür. Zurück bleiben Berge aus bedrucktem Papier, zu nichts mehr zu gebrauchen. Wieso eigentlich? Wozu hat Lena P. voriges Jahr denn bitte den Origami-Kurz erfolgreich absolviert?!

Nach den ersten vier Kranichen traut sie sich an Hahn, Elefant und Schmetterling und schon nach zwei Tagen steht der ganze HV-Tisch voll mit liebevoll gefalteten Kassensicherungsfiguren. Natürlich fragen die Kunden nach. Lena freut sich plötzlich über die Bonpflicht – und da sie dem guten Ratschlag ihrer Kammer gemäß keine Klarnamen mehr auf die Belege druckt, ist das Bon-Verschenken auch datenschutzrechtlich unproblematisch.

Am Ende des zweiten Tages hat sie allerdings schon zwei komplette Papierrollen verbongt und gefaltet und kommt beim Blick auf ihre BWA zu dem Schluss, dass Schluss sein muss mit dem Gratisorigami. Sie verkauft Kranich & Co. für einen Euro das Stück und spendet die Hälfte an den NABU – schließlich ist die blödsinnige Druckerei nicht besonders umweltschonend. Natürlich darf jeder Kunde seinen eigenen Bon auch kostenlos und unverknittert mitnehmen, schließlich will Lena P. keinen Ärger.

Kriegt sie aber. Der Herr vom Finanzamt findet die Idee mit den gefalteten Schiffchen und Kamelen zwar nett, kam bei seinem Testkauf aber nicht umhin festzustellen, dass die Apothekerin für den Verkauf des Bons keinen Bon ausdruckt. Sie gelobt Besserung und faltet den ganzen Nachtdienst durch. Kurz nach Mitternacht kommt ihr ein besorgniserregender Gedanke: Sind Kunst-Bons mit Arzneimittelaufdruck eigentlich noch apothekenpflichtige Waren oder droht ihr demnächst auch noch Ärger mit dem Pharmazierat?

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