Immer mehr Apotheken bieten assistierte Telemedizin (aTM) an. Gerade wenn Arztpraxen geschlossen sind oder kurzfristig kein Termin möglich ist, kann dieser Service Patientinnen und Patienten helfen. Die Apotheke sei längst mehr als ein reiner Abgabeort, sagt Vildane Idrizi-Sinan aus Düsseldorf. In ihrer Apotheke Deiker Höfe sind Videosprechstunden bereits seit der Eröffnung Ende 2025 möglich. „Mein Plan geht auf.“
Die Apotheke wird immer mehr zum Ort des Geschehens. Pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) und Impfungen sollen ausgebaut und von den Krankenkassen erstattet werden. Idrizi-Sinan freut sich über diese Entwicklung. Sie setzt in ihrer neuen Apotheke seit mehr als einem halben Jahr auf digitale Angebote und persönliche Beratung. „Die Apotheke wird zum Health Hub, ich habe mir für das Konzept das perfekte Timing ausgesucht“, sagt sie.
Denn seit Anfang Juli können Apotheken aTM bei den Krankenkassen abrechnen. Was vorher allenfalls eine Selbstzahlerleistung war, ging damit in die Regelversorgung über. Ein weiterer Schritt, der die Vor-Ort-Apotheken stärkt. Dass die Notwendigkeit dafür besteht, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Denn Tausende Hausarztsitze sind nicht besetzt, vielerorts fehlen Fachärztinnen und -ärzte. Die Apotheke ist oft der letzte verbliebene Gesundheitsort.
Von dort aus werden Menschen niederschwellig erreicht – auch Menschen, die keine Apps haben und in der digitalen Welt Hilfe brauchen. aTM bietet dieser Zielgruppe technische und organisatorische Unterstützung, um eine Videosprechstunde in der Apotheke zu nutzen. Möglich ist auch ein strukturiertes Ersteinschätzungsverfahren, um zu klären, ob eine Videosprechstunde geeignet ist.
Dafür muss ein Fragebogen ausgefüllt und die Krankenkassenkarte bereitgehalten werden. Entsteht aus der Arztkonsultation ein Rezept, kann es vor Ort eingelöst werden. Ein weiterer Pluspunkt für die Apotheke. „Ich habe mich frühzeitig um Partner bei den umliegenden Arztpraxen bemüht“, sagt Idrizi-Sinan. Junge Ärztinnen und Ärzte hätten sich von sich aus gemeldet. „Mir war wichtig, dass wir einen Kinderarzt haben, außerdem haben wir eine Zahnärztin, einen Internisten und ich bin an einem Orthopäden dran.“ Dazu kämen rund 4000 Fachärzte über das Netzwerk des Anbieters der Telemedizin-Kabine.
Idrizi-Sinan nutzt Medivise. Mehr als 2,5 Millionen Videosprechstunden sind laut Angaben des Unternehmens bereits über die Plattform gelaufen. „Diese Leistung gehört in jede Apotheke“, appelliert sie an Kolleginnen und Kollegen. Um Telepharmazie und weitere Möglichkeiten bekannter zu machen, informiert die Inhaberin über die Transformation zum „Health Hub“.
Apotheken erhalten von den Kassen für eine der Leistungen im Bereich aTM eine Pauschale. Diese umfasse sowohl die Arbeitsleistung als auch einen Technikanteil. Die Höhe der Pauschale richtet sich nach dem Datum der Leistungserbringung: Bis Ende Juni 2027 werden 30 Euro bezahlt; bis Ende Juni 2028 sind es 25,50 Euro; bis Ende Juni 2029 sind es 23 Euro. Ab Juli 2029 erhalten Apotheken als Pauschale noch 21,50 Euro.
Wie sieht die Apotheke der Zukunft aus? – das Titelthema der aktuellen Apotheken Umschau. Mehr hierzu und zu den anderen Themen dieser und älterer Ausgaben finden Sie in unserer Rubrik!