Repetitorium Antikoagulantien

Vorsicht bei Phenprocoumon und Amoxicillin Nadine Tröbitscher, 20.10.2017 11:33 Uhr

Berlin - Antikoagulatien und Antibiotika werden nicht nur häufig verordnet, sondern können in der Therapie unerlässlich sein. In der Abgabe und Beratung ist daher viel Fachwissen gefragt. Mögliche Wechselwirkungen sollten beachtet und mit dem Kunden besprochen werden. Auch wenn zwischen den beiden Stoffgruppen keine absolute Kontraindikation besteht, ist bei der Kombination Vorsicht geboten.

Fall: Ein Stammkunde leidet an einer akuten Mittelohrentzündung und hat ein Antibiotikum verordnet bekommen. Er soll die Kombination Amoxicillin/ Clavulansäure einnehmen. Ein Blick in die Kundenkarte verrät die Dauermedikation des Mannes – Phenprocoumon.

Analyse: Laut Fachinformationen sind keine Berichte über Wechselwirkungen bekannt, dennoch sind in der Literatur Fallbeispiele beschrieben. Das Ausmaß der Wirkverstärkung der oralen Antikoagulantien variiert zwischen den einzelnen Antibiotika. So ist laut einer im American Journal of Medicine veröffentlichte Studie das Risiko für die Wirkverstärkung bei Verwendung von oralem Ofloxacin um das Fünffache erhöht, bei Amoxicillin/ Clavulansäure um das Doppelte.

Der genaue Wirkmechanismus ist bislang nicht vollständig geklärt. Vermutet wird zum einen eine Hemmung des Abbaus des Gerinnungshemmers und zum anderen ein Einfluss durch die Störung der Darmflora. Denn wird die natürliche gesunde Flora zerstört, wird weniger bakterielles Vitamin K gebildet, was wiederum mit einer Wirkverstärkung von Phenprocoumon einhergeht. Denn als Vitamin K Antagonist greift das Arzneimittel an der Vitamin K abhängigen Synthese der Gerinnungsfaktoren an und nimmt Einfluss auf die Gerinnungskaskade.

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