Repetitorium Antikoagulantien

Vorsicht bei Phenprocoumon und Amoxicillin

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Berlin -

Antikoagulatien und Antibiotika werden nicht nur häufig verordnet, sondern können in der Therapie unerlässlich sein. In der Abgabe und Beratung ist daher viel Fachwissen gefragt. Mögliche Wechselwirkungen sollten beachtet und mit dem Kunden besprochen werden. Auch wenn zwischen den beiden Stoffgruppen keine absolute Kontraindikation besteht, ist bei der Kombination Vorsicht geboten.

Fall: Ein Stammkunde leidet an einer akuten Mittelohrentzündung und hat ein Antibiotikum verordnet bekommen. Er soll die Kombination Amoxicillin/ Clavulansäure einnehmen. Ein Blick in die Kundenkarte verrät die Dauermedikation des Mannes – Phenprocoumon.

Analyse: Laut Fachinformationen sind keine Berichte über Wechselwirkungen bekannt, dennoch sind in der Literatur Fallbeispiele beschrieben. Das Ausmaß der Wirkverstärkung der oralen Antikoagulantien variiert zwischen den einzelnen Antibiotika. So ist laut einer im American Journal of Medicine veröffentlichte Studie das Risiko für die Wirkverstärkung bei Verwendung von oralem Ofloxacin um das Fünffache erhöht, bei Amoxicillin/ Clavulansäure um das Doppelte.

Der genaue Wirkmechanismus ist bislang nicht vollständig geklärt. Vermutet wird zum einen eine Hemmung des Abbaus des Gerinnungshemmers und zum anderen ein Einfluss durch die Störung der Darmflora. Denn wird die natürliche gesunde Flora zerstört, wird weniger bakterielles Vitamin K gebildet, was wiederum mit einer Wirkverstärkung von Phenprocoumon einhergeht. Denn als Vitamin K Antagonist greift das Arzneimittel an der Vitamin K abhängigen Synthese der Gerinnungsfaktoren an und nimmt Einfluss auf die Gerinnungskaskade.

Amoxicillin ist ein Breitspektrum-Penicillin und gehört zur Wirkstoffgruppe der β-Laktam-Antibiotika. Die Substanz hemmt die bakterielle Zellwandsynthese. Die bakterizide Wirkung richtet sich gegen Anaerobier sowie aerobe grampositive und -negative Bakterien.

Die Kombination mit dem β-Lactamase-Inhibitor Clavulansäure verhindert die Inaktivierung von Amoxicillin. Der Wirkstoff selbst besitzt keine relevante antibiotische Wirkung. Die fixe Kombination wird beispielsweise bei Mittelohrentzündungen, Bronchitis, Lungenentzündung oder Harnwegsinfekten eingesetzt.

Phenprocoumon wird zur Stoffgruppe der 4-Hydroxycumarine gezählt. Der Vitamin-K-Antagonist vermindert die Vitamin-K-vermittelte Aktivierung der Gerinnungsfaktoren. Die Wirkung setzt nicht sofort ein, sondern erst, wenn alle noch im Körper vorhandenen Gerinnungsfaktoren verbraucht sind. Entdeckt wurde die Cumarin-Wirkung an Kühen, die an Blutungen verstarben, nachdem sie große Mengen an Steinklee gefressen hatten.

Die Dosierung erfolgt individuell und wird zum Beispiel durch die Bestimmung der Thromboplastin-Zeit eingestellt. Hierzu kann die Messung des International Normalized Ratio (INR) herangezogen werden. Die Blutgerinnung muss während der Therapie fortlaufend kontrolliert werden. Der Vitamin-K-Antagonist dient der Behandlung und Prophylaxe einer Thrombose und Embolie. Der Wirkstoff kann ebenfalls zur Langzeitbehandlung eines Herzinfarktes eingesetzt werden, wenn ein erhöhtes Risiko für thromboembolische Komplikationen besteht.

Kommunikation: Die Kombination beider Medikamente sollte mit einer Überwachung des INR einhergehen. Eine andere Möglichkeit ist das Ausweichen auf ein Antibiotikum mit weniger Wechselwirkungspotenzial. In Frage kommen Clindamycin und Cephalexin.

Therapie: Patienten sollten den INR-Wert während der Antibiose im Auge behalten. Dazu sollte der Wert mindestens einmal außerhalb der Routine zusätzlich überprüft werden. Gegebenenfalls muss das Antikoagulans in seiner Dosierung angepasst werden.

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