Repetitorium Blutverdünner

Vorsicht bei Phenprocoumon und Tilidin Nadine Tröbitscher, 24.07.2017 12:57 Uhr

Berlin - Antikoagulanzien wie Phenprocoumon können zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Lebensmitteln haben. Wahrscheinlich ist auch eine Interaktion zwischen dem Vitamin-K-Antagonisten und dem Analgetikum Tilidin/Naloxon.

Fall: Eine Kundin wird mit Phenprocoumon behandelt, da sie an Vorhofflimmern leidet. Sie überprüft regelmäßig selbstständig ihre INR-Werte und ist gut eingestellt. Da sie seit geraumer Zeit unter starken Schmerzen leidet, hat sie Tilidin/Naloxon verordnet bekommen. Nun möchte sie wissen, ob sie beide Medikamente zusammen anwenden kann.

Analyse: Phenprocoumon gehört zur Gruppe der 4-Hydroxycumarine und ist ein Vitamin-K-Antagonist. Der Arzneistoff vermindert die Vitamin-K-vermittelte Aktivierung der Gerinnungsfaktoren. Die Wirkung setzt erst ein, wenn alle noch im Körper vorhandenen Gerinnungsfaktoren verbraucht sind. Die Dosierung erfolgt individuell und wird zum Beispiel durch die Bestimmung der Thromboplastin-Zeit eingestellt. Hierzu kann die Messung des International Normalized Ratio (INR) herangezogen. Die Blutgerinnung muss während der Therapie fortlaufend kontrolliert werden. Der Vitamin-K-Antagonist dient der Behandlung und Prophylaxe einer Thrombose und Embolie. Der Wirkstoff kann ebenfalls zur Langzeitbehandlung eines Herzinfarktes eingesetzt werden, wenn ein erhöhtes Risiko für thromboembolische Komplikationen besteht.

Tildin/Naloxon wird zur Behandlung starker oder sehr starker Schmerzen eingesetzt. Im Handel sind die Lösung, die unter die Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtMVV) fällt, und Retardtabletten, die auf einem Muster-16-Formular verordnet werden können. Die fixe Kombination aus einem stark wirksamen Analgetikum aus der Gruppe der Opioide und einem Opioidantagonisten soll den Missbrauch mindern. Das Verhältnis der beiden Inhaltsstoffe ist so gewählt, dass die Wirkung von Tilidin nicht gemindert wird. Tilidin ist ein Prodrug mit nur schwacher Opioidwirkung, die aktive Substanz ist Nortilidin, die über den First-Pass-Effekt der Leber entsteht. Naloxon hingegen wird durch diesen First-Pass-Effekt sehr schnell abgebaut. Wird das Arzneimittel nicht peroral eingenommen, entsteht weder die aktive Form des Tilidins, noch wird der Inhibitor Naloxon abgebaut. Die opioide Wirkung bleibt somit aus.
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