PTA Mays Yilmaz

Ohne Abitur: Von der Hauptschule zur angehenden Apothekerin Deniz Cicek-Görkem, 10.04.2018 09:59 Uhr

Berlin - Für die große Karriere ist nicht immer die allgemeine Hochschulreife erforderlich. Beispielsweise können PTA und PKA auch ohne Abitur Pharmazie studieren. Diese Möglichkeit nutzte Mays Yilmaz von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU): Sie nahm den langen Weg des Studiums auf sich und ist nun „scheinfrei“ – wie man es an der Universität sagt. Bald steht der Zweite Abschnitt der pharmazeutischen Prüfung an. APOTHEKE ADHOC erzählt sie, was sie bewegt hat, Pharmazie zu studieren.

„Du kannst noch nicht mal Deutsch! Wie willst du die PTA-Ausbildung schaffen?“, bekam Yilmaz damals von einem ihrer Lehrer an der Berufsschule zu hören, an der sie ihren Realschulabschluss machte. „Das sind unsere Steuergelder, die du verschleuderst.“ Von da an war der jungen Kurdin klar, dass sie aus Trotz weitermachen musste. „Wenn mir jemand sagt ‚du kannst es nicht!‘, dann muss ich es erst recht tun“, sagt die heute 30-Jährige mit Stolz.

Die junge Frau kam in Mardin, einer südostanatolischen Stadt, auf die Welt. Mit zehn Jahren kam sie dann mit ihrer Familie nach Deutschland, hier wurde sie in die fünfte Klasse eingestuft. „Ich komme von der Hauptschule“, erzählt sie. „Ich wollte aber danach unbedingt meinen Realschulabschluss machen und habe noch zwei Jahre dran gehängt.“

Die Diskriminierung an der Realschule hatte den Beginn eines neuen Lebenswegs katalysiert: Zuerst beginnt sie ihre Ausbildung im ostfriesischen Leer, musste dann aber aufgrund des neuen Jobs ihres Vaters zur PTA-Schule in Gelsenkirchen wechseln. „Ich habe nach dem Abschluss ein paar Jahre gearbeitet, suchte dann eine neue Herausforderung“, sagt Yilmaz. Sie machte danach eine berufsbegleitende Ausbildung zur staatlich geprüften Kosmetikerin und arbeitete danach nebenberuflich als Visagistin auf Hochzeiten. „Irgendwann wurde es langweilig“, gesteht sie. Sie entschied sich, das Abitur nachzuholen.

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