Inhaberin schmeißt Postfiliale aus der Apotheke

„Ich kann ja nicht auf Dauer die Post finanzieren“ APOTHEKE ADHOC, 04.10.2020 15:00 Uhr

Berlin - Eigentlich wollte Apothekerin Dr. Kathrin Bihl ihrem Heimatort einen Gefallen tun. Der hatte nämlich keine Postfiliale mehr – also holte sie eine in ihre Apotheke. Doch nach gut zwei Jahren ist nun Schluss. Denn der Postschalter neben der Offizin rechnet sich selbst mit viel gutem Willen nicht. Auch wenn die Post eigentlich ein Interesse daran haben sollte, die Versorgung auch in ländlichen Regionen aufrecht zu erhalten, zeigte sie keine Ambitionen, die Filiale in der Apotheke zu halten.

Die Post gehört genauso zur öffentlichen Infrastruktur wie die Arzneimittelversorgung – und steht vor ähnlichen Problemen: Vor allem in ländlichen Regionen kommt es immer häufiger vor, dass Gemeinden keine eigene Poststelle mehr haben. Abhilfe kann und soll da ein Partnerprogramm bringen: Postschalter in anderen Geschäften, in denen Kunden nicht nur Briefe und Pakete aufgeben und abholen, sondern auch Postprodukte wie Briefmarken, Postkarten oder Versandboxen kaufen können. 1135 solcher Partnerfilialen gibt es, darunter laut Post deutschlandweit 30 in Apotheken. „In der Relation zu anderen Branchen ist das eher gering, typische Postpartnerschaften umfassen Branchen wie den Lebensmittelhandel, Kaufhäuser, Trafiken oder etwa Gemeinden“, so die Post auf Anfrage.

Die Kosten für Umbau, Unterhalt und Personal tragen dabei die Apotheken – die Post zahlt eine Grundvergütung und eine Provision je nach Umsatz, die sich von Produkt zu Produkt unterscheidet. Eigentlich ein guter Deal, könnte man denken: Man richtet einen kleinen Nebenraum ein und holt sich damit zusätzliche Kundschaft sowie einen kleinen Nebenerwerb ins Haus. Doch so einfach ist es nicht: Man sollte denken, die Post lässt es sich etwas kosten, die Versorgung in der Fläche sicherzustellen. Aber zumindest Apotheken sollten sich genau überlegen, ob sie sich ein gelbes Nebenzimmer holen.

Dr. Kathrin Bihl hatte das eigentlich. Vor gut zwei Jahren holte sie sich eine Postfiliale in ihre damals frisch übernommene Apotheke zur Erle im schleswig-holsteinischen Ellerau. Der Ort mit seinen 6000 Einwohnern hatte keine Post mehr und Bihl wollte mit ihrem Betrieb Abhilfe schaffen, insbesondere der älteren Mitbürger wegen. Also schloss sie einen Vertrag mit der Post und eröffnete im Juli 2018 die Filiale in einem Nebenraum ihrer Apotheke – auf eigene Kosten. „Ich habe die Apotheke komplett umgebaut, inklusive Wanddurchbruch und Tür. So eine Außentür ist nicht ohne für eine kleine Apotheke, insbesondere zwei Monate nach der Übernahme“, sagt sie. Selbst zahlen muss sie nicht nur die Räumlichkeiten, sondern auch das Personal. Zwei Teilzeitmitarbeiterinnen hat Bihl für den Postschalter angestellt. Und zumindest operativ lief die Poststelle die letzten beiden Jahre auch gut.

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