Erneut macht der Fraktionsvorsitzende Jens Spahn Schlagzeilen. Mehreren übereinstimmenden Medienberichten zufolge ist Spahn mit dem „Dialog“-Netzwerk des Tech-Milliardärs Peter Thiel verbandelt. Seit 2018 – als er noch Gesundheitsminister war – soll Spahn fünf Treffen besucht haben.
Der frühere Gesundheitsminister und jetzige Fraktionsvorsitzende Spahn soll fünfmal an Treffen des dem MAGA-Flügel nahestehenden Thiel teilgenommen haben. Die Teilnahme sei in unregelmäßigen Abständen erfolgt, erklärte ein Sprecher gegenüber der Correctiv-Redaktion. Demnach habe Spahn 2018 in Irland, 2019 in Italien, 2022 in Portugal, 2023 in Spanien und 2024 in Deutschland teilgenommen. Auch für das nächste Treffen im August in Irland soll Spahn eine Einladung erhalten, diese jedoch abgesagt haben. Bereits frühere Correctiv-Recherchen hätten gezeigt, dass Spahn enge Kontakte zu Personen mit Nähe zu Trump unterhalte.
In dem „Dialog“-Netzwerk würden sich internationale Größen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Militär und Wissenschaft treffen. Bereits seit 2006, seit 20 Jahren, sei das Netzwerk aktiv; die Treffen würden geheim gehalten. Gegenüber Correctiv erklärte der Sprecher weiter, dass Spahn Thiel nie persönlich auf den Treffen begegnet sei und auch den Begriff „Dialog-Society“ nicht kenne.
Die Liste mit 113 Namen, auf der auch Spahn auftaucht, wurde von der Schweizer Hackaktivistin Maia Arson Crimew geteilt. „Erinnern Sie sich noch an ‚Dialog‘ – jene private Vereinigung von Peter Thiel, die weder über eine öffentliche Website noch über eine öffentliche Mitgliederliste verfügt?“, postete sie auf Bluesky. Darunter finden sich mehrere Bilder mit Namenslisten. Sie und eine Reihe weiterer Journalist:innen hätten einen Hinweis erhalten, wonach im Quellcode der geschlossenen Website eine Liste zu finden sei, die einige der Teilnehmenden zeige.
Auf der geteilten Liste finden sich neben Spahn auch der Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk, der republikanische Politiker Ted Cruz, die Vizepräsidentin der EU-Kommission Kaja Kallas und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sowie diverse Politiker:innen und Unternehmenschef:innen aus den USA.
Inwieweit hier zwischen Vereinsmitgliedern und Referent:innen beziehungsweise Gästen bei Vereinstreffen oder Ähnlichem unterschieden wird, kann sie nicht sagen. Auch nicht, ob eine solche Unterscheidung überhaupt existiert. „Es ist sehr schwierig, konkrete Informationen über die Arbeitsweise dieser Organisation zu finden“, schreibt sie auf Bluesky.
Laut dem Magazin Wired seien mehr als 200 Mitglieder der Elite für das Treffen im August angemeldet. Auch eine Agenda liege dem Magazin vor: Demnach würden die angekündigten Podiumsdiskussionen thematisch über Kultaufbau und Sex bis hin zu „Navigating WWIII“ („den Dritten Weltkrieg meistern“) reichen. Die Mitglieder werden nach Angaben des Magazins nach Kategorien wie Status und Vermögen bewertet.
Thiel ist Gründer und Investor, unter anderem hat er PayPal und die Palantir mitgegründet. Der aus Deutschland Unternehmer ist bekannt für seine libertären und rechtskonservativen Positionen, seine Nähe zu Trump und seine Kritik an liberalen Demokratien. In letzter Zeit hatten Berichte über Thiels apokalyptische Weltsicht auch seine religiöse Ideologie in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die Frage, ob sich Sicherheitsbehörden auf die umstrittenen Datenanalyse-Produkte von Palantir verlassen sollten, hat in Deutschland Debatten ausgelöst. Die Polizei in Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg nutzt das Palantir-Analysetool „Gotham“.
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