Rx-Versandverbot kann keine Apotheke retten

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Berlin - Nach der politischen Sommerpause will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) über das Schicksal des von der ABDA seit dem EuGH-Urteil geforderten Rx-Versandverbots entscheiden. Jetzt liefert 2hm-Gutachterin Iris an der Heiden in einem Beitrag für ein AOK-Fachmagazin noch einmal Argumente gegen ein Verbot: Der Rx-Onlinehandel sei nicht verantwortlich für die Existenzsorgen vieler Apotheken und ein Verbot könne die Probleme nicht lösen, meint sie.

Auch ohne Prognosen und bereits anhand der aktuellen Datenlage „kann festgestellt werden, dass ein Rx-Versandverbot die bestehenden wirtschaftlichen Probleme eines wesentlichen Anteils der Apotheken nicht lösen kann“, schreibt an der Heiden in einem Beitrag für die Zeitschrift „G+G Wissenschaft“ (GGW) des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Angesichts der guten Versorgungslage sollte sich die Politik nicht von „undefinierten und zukünftig möglicherweise eintretenden Problemen leiten lassen“, warnt die 2hm-Gutachterin vor rein politisch motivierten Entscheidungen. Stattdessen müsse die die Honorierung der Leistungen von Apothekern und Großhändlern auf einer datenbasierten und transparenten Preissetzung erfolgen.

Im Fokus der befürchteten Konsequenzen des EuGH-Urteils für die Flächendeckung stehe die Bedrohung der wirtschaftlichen Situation der Vor-Ort-Apotheken und nicht die Leistung der Versandhändler an sich, die durch eine Lieferung nach Hause grundsätzlich der Flächendeckung diene – wenn auch nur ergänzend. Die wirtschaftliche Situation vieler Apotheken sei jedoch bereits vor dem EuGH-Urteil für ein langfristiges Bestehen gefährdend: Rund 7600 Apotheken erwirtschafteten bereits im Jahr 2015 einen Bruttobetriebsüberschuss vor Steuern und nach Bruttoinvestitionen von unter 100.000 Euro.

„Mit diesen 7600 Apothekenunternehmen waren damit zirka 48 Prozent aller Apothekenunternehmen im Jahr 2015 mittelfristig im Bestand gefährdet, 2600 davon waren mit einem Ergebnis von durchschnittlich nur 30.000 Euro kurzfristig gefährdet, so an der Heiden. Diese Apotheken seien durch ein Rx-Versandverbot zwar gegebenenfalls vor sich weiter verstärkendem Wettbewerbsdruck geschützt, jedoch auch im Verbotsfall immer noch für eine Geschäftsübergabe als Einzelunternehmen zu unrentabel, und damit sei eine weitere Konsolidierung der Apotheken sehr unwahrscheinlich.

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