Postkartenaktion

DocMorris hetzt Kunden auf CDU

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Berlin -

DocMorris wird wegen des geplanten Rx-Versandverbots nervös. Die niederländische Versandapotheke hat eine Postkartenaktion gestartet, um gezielt CDU/CSU-Politiker umzustimmen. Wer für DocMorris lobbyieren will, muss seine Daten nur in eine Onlinemaske eintragen, die Versandapotheke druckt sich dann selbst eine Karte und schickt diese an Abgeordnete der Union.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) macht ernst mit dem geplanten Rx-Versandverbot. Er hat seinen Entwurf für ein entsprechendes Gesetz Ende vergangener Woche in die Ressortabstimmung gegeben. Zwar kam aus den Reihen der SPD-Fraktion zwischenzeitlich ein Alternativvorschlag, doch noch hält die Union an ihrem Plan fest, den Versand auf OTC-Arzneimittel zu begrenzen.

DocMorris schlägt Alarm. Auf der Seite „Versandapotheken-kein-Verbot“, die von DocMorris betrieben wird, gibt es einen Reiter „Protestaktion“ mit dem Aufruf: „Wehren Sie sich!“ Das geplante Rx-Versandverbot wird so beschrieben: „Für Sie als Kunden hieße dies: keine Sparvorteile, kein Versand, keine bequeme Lieferung nach Hause. Es folgt ein Aufruf: „Bitten Sie deshalb Ihren CDU/CSU-Abgeordneten, im Bundestag gegen das Gesetz zu stimmen.“

Dazu müssen die Teilnehmer dazu nur ihre vollständige Adresse angeben. DocMorris ordnet den passenden Bundestagsabgeordneten der Union zu, trägt dessen Adresse ein und verschickt eine Postkarte auf eigene Rechnung. Die Teilnehmer müssen nur noch den Datenschutzbestimmungen zustimmen und per Klick bestätigen, dass sie kein „Roboter“ sind – was bei einzelnen Nutzern laut dem Facebook-Auftritt von DocMorris schon zu Schwierigkeiten geführt hat.

Auf der Postkarte steht dann folgender – mit automatisiert personalisierter Anrede versehener – Text: „Ich wende mich an Sie in einer für mich sehr wichtigen und persönlichen Angelegenheit. Ich beziehe meine rezeptpflichtigen Medikamente bei meiner Versandapotheke DocMorris. Als mündiger Bürger und Wähler möchte ich das Recht und die Freiheit haben auszuwählen, wie und von welcher Apotheke ich meine Medikamente beziehe.“

Das von Gröhe geplante Verbot „schränkt mich nicht nur massiv in meiner Lebensqualität und in meiner freien Apothekenwahl ein, nein, es nimmt mir auch meine finanzielle Entlastung“, sind sich die DocMorris-Kunden einig. Dann wird der Druck auf die Union erhöht: „Diese verbraucherfeindliche Haltung der CDU/CSU, insbesondere zum Nachteil von chronisch kranken und immobilen Patienten, kann und will ich nicht verstehen!“

Der zuständige Abgeordnete des Kunden wird dann von DocMorris persönlich angesprochen: „Sie entscheiden darüber, ob das verbraucherfeindliche Gesetz, das Herr Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe plant, Realität wird.“

Zum Schluss folgt ein letzter Appell: „Stimmen Sie nicht für ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln. Setzen Sie sich dafür ein, dass ich auch in Zukunft meine Medikamente und eine finanzielle Entlastung über den Versandhandel bekomme. Lassen Sie es nicht zu, dass meine Interessen als Verbraucher einfach übergangen werden.“ [Hervorhebungen im Original]

In einem anderen Rundbrief an Kunden heißt es: „Vielleicht haben Sie es in den Medien gehört: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe von der CDU will den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln verbieten. Das bedeutet: Sie als Verbraucher werden gezwungen, verschreibungspflichtige Medikamente in einer Stationärapotheke zu beziehen, und bekommen Ihre Medikamente nicht mehr bequem und mit Preisvorteil von DocMorris geliefert."

Und weiter: „Wir von DocMorris wollen, dass Sie auch weiterhin die Wahl haben: Als Ergänzung zur Vor-Ort Apotheke wollen wir Ihnen auch in Zukunft Sparvorteile bieten, um so Ihre Gesundheitskosten zu senken.“ Wenn die Kunden dies auch wünschten, sollen sie bei der „Protestaktion gegen das Rx-Versandverbot“ mitmachen. „Es kostet Sie nur ein paar Klicks: Sie müssen nichts ausdrucken und nicht zum Briefkasten gehen!“ Gezeichnet ist das Schreiben von DocMorris-Chef Olaf Heinrich: „Bitte machen Sie mit und helfen Sie uns – in Ihrem eigenen Interesse als Verbraucher!“

Die ABDA hatte kurz vor Weihnachten eine Unterschriftenaktion in den Apotheken gestartet. Die Kunden sollen sich für den Erhalt der wohnortnahen Versorgung einsetzen. Die Aktion soll bis März laufen, danach möchte die ABDA die listen übergeben. Bei Politikern hatte der Aufruf auch Kritik hervorgerufen, da Abgeordnete einen EU-kritischen Ton herausgehört.

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