DocMorris verschickte 100.000 Briefe | APOTHEKE ADHOC
Rx-Versandverbot

DocMorris verschickte 100.000 Briefe

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Berlin -

DocMorris lobbyiert mit eigenen Mitteln gegen das geplante Rx-Versandverbot. Die Kunden der Versandapotheke wurden gezielt auf Bundestagsabgeordnete von CDU und CSU angesetzt. DocMorris-Chef Olaf Heinrich sagte Zeitungen der Funke-Gruppe, es seien „mehr als 100.000 Briefe“ an Abgeordnetenbüros gegangen.

DocMorris hatte zu der Protestaktion aufgerufen: Die Kunden mussten dazu nur ihre Daten in eine Onlinemaske eintragen, die Versandapotheke druckte sich dann selbst eine Postkarte und schickte diese an den regional zuständigen Abgeordneten der Union. Andere Fraktionen wurden nicht entsprechend bearbeitet.

Die Angaben von Heinrich zu der Anzahl der verschickten Postkarten sind nicht zu überprüfen. Tatsächlich hatten aber mehrere Unionsabgeordnete berichtet, dass sie die Postkarten bekommen hatten. Die Aktion kommt allerdings inhaltlich nicht besonders gut an. Die vermeintlich hochbetroffenen Aussagen der Kunden verlieren in der Masse naturgemäß an Glaubwürdigkeit. Diese Erfahrung hatte die ABDA bei einer ähnlichen Postkartenaktion vor der Bundestagswahl machen müssen.

Eine Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion bestätigte den Funke-Zeitungen, dass eine „sehr, sehr hohe Zahl an Briefen“ eingegangen sei. Für DocMorris-Chef Heinrich ist das Ergebnis der Aktion „ein überwältigender Beweis, dass es hier nicht nur um unsere Geschäftsinteressen geht“.

Heinrich kritisierte erneut das von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geplante Rx-Versandverbot: „Der Bundesgesundheitsminister plant ein Wahlgeschenk für die Apotheker“. Gröhe wolle „mit aller Macht ein Gesetz durchdrücken, das die Lebensqualität sehr vieler Menschen verschlechtert“, so Heinrich. Man könne im digitalen Zeitalter den Online-Handel nicht verbieten.

Am Donnerstag bekräftigte die SPD-Fraktion die Forderung, Gröhes Gesetz abzulehnen. In einem Schreiben des konservativen Seeheimer Kreises und der Parlamentarischen Linken in der SPD-Fraktion heißt es: „Ein Verbot ist keine Lösung für die Herausforderungen der Gesundheitsversorgung sowohl in Ballungsgebieten wie auf dem Land.“ Zuvor hatte auch Fraktionsvize Karl Lauterbach sein Nein zum Rx-Versandverbot bekräftigt.

Außer DocMorris hatte auch die deutsche Versandapotheke Sanicare gegen das Rx-Versandverbot lobbyiert. Sie appellierte an die eigenen Kunden, sich gegen das Gesetzesvorhaben auszusprechen. Dazu verschickte Sanicare einen Verteiler mit Adressen von Unions-Abgeordneten an die eigenen Kunden. Die ABDA hatte dagegen in den Apotheken vor Ort Unterschriften sammeln lassen. Die Ergebnisse sollen in der kommenden Woche vorgestellt werden.

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