Porwoll: „Imposanter Erfolg der Zyto-Apotheker-Lobby“

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Porwoll kritisiert auch, dass die finanziellen Anreize zum Betrieb onkologischer Schwerpunkt-Apotheken ausgebaut werden. So soll die Herstellungspauschale zur Deckung der Kosten pro Therapiebeutel von bislang 81 Euro auf 110 Euro steigen. Bereits in diesem Jahr zahlen die Krankenkassen demnach mehr als 410 Millionen Euro Herstellungspauschale, von denen den Apotheken abzüglich der tatsächlichen Kosten ein Gewinn von 250 Millionen Euro bleibe. Mit der geplanten Anhebung würden die Kassen Porwoll zufolge 150 Millionen Euro mehr überweisen. Dass dies die einzige Pauschale ist, bei der die gesetzlichen Kassen mehr zahlen als die privaten, sei „ein imposanter Erfolg der Zyto-Apotheker-Lobby“.

Auch die Preisverhandlungen zwischen Krankenkassen und Zyto-Apothekern haben sich laut Porwoll als „stumpfes Schwert gegen die immensen ökonomischen Anreize erwiesen“. Diese Anreize zu dämpfen, sei erstmals mit der momentan gültigen Hilfstaxe gelungen. Doch eben diese werde mit den Neuregelungen faktisch abgeschafft. Außerdem bleibe das Problem der freien Apothekenwahl durch die behandelnden Ärzte unangetastet. Die trage nämlich „maßgeblich dazu bei, dass onkologische Facharztpraxen unter die Kontrolle von Investoren geraten können, wodurch gefährliche Abhängigkeiten entstehen“.

Porwolls Urteil zu den Maßnahmen ist vernichtend: „Die Zyto-Apotheker bekommen ein 150 Millionen Euro schweres Geschenk und haben keine effektiven Kontrollen zu befürchten. Zu den nächsten Panschereien auf Kosten schwerkranker Patienten lädt das geradezu ein.“ Er menetekelt deshalb: „Falls das GSAV in jetziger Form in Kraft tritt, wären wieder Whistleblower gefragt. Für deren Rechtsschutz sich dann keiner zuständig fühlt. Aber das ist eine andere Baustelle.“

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